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Xanthos - Hauptstadt des Lykischen Bundes

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Begründung der Aufnahme (1988):

  • Zeugnis kulturellen Austauschs
  • Zeugnis einer Kultur

Einführung und geschichtlicher Überblick
Sehenswürdigkeiten in Xanthos
Fotoarchiv Xanthos

Das lykische Heiligtum Letoon (Latona)

Xanthos - Einführung und geschichtlicher Überblick

Xanthos
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Die einstige lykische Hauptstadt Xanthos, die kurzzeitig auch unter dem Namen Arnna bekannt war, liegt etwa 48 km südwestlich von Fethiye und 15 km nördlich von Kalkan, im fruchtbaren Eşen-Tal, nahe der Stadt Kınık. Man erreicht Xanthos über die Bundesstrasse D400. Gesicherten Erkenntnissen nach, existierte die größte und mächtigste Stadt Lykiens schon 800 v. Chr., wahrscheinlich sogar schon 400 Jahre früher, zur Zeit des Trojanischen Krieges. Gegen diese Theorie spricht jedoch die Tatsache, dass Homer in seinem Epos Ilias zwar Lykien und den Fluss Xanthos (heute Eşen Çayı), niemals aber die Stadt erwähnt. Über viele Jahrhunderte vergessen, entdeckte der britische Wissenschaftler Charles Fellows 1838 die antike Stadt. Dieser brachte mit der Erlaubnis des Sultans von Konstantinopel, die wertvollsten Stücke (darunter das berühmte Nereïdenmonument), in 80 Kisten verpackt, nach London. Kriege, Überfälle, Brände, Erdbeben hatten diese kostbaren Stücke heil überstanden, bis sie plündernden "Forschern" zum Opfer fielen. Der Besucher muss sich heute mit Nachbauten aus Gips zufrieden geben, die Originale sind im Britischen Museum in London zu bewundern. Im Jahre 1950 begannen (seriöse) französische Archäologen mit der systematischen Freilegung der Ruinen, zunächst unter der Leitung von Dr. Pierre Demargne, später unter Prof. Dr. Henri Metzger. Seit 1988 zählt Xanthos gemeinsam mit Letoon zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Als im Jahre 546 v. Chr. die Perser unter ihrem Anführer Harpagos Xanthos belagerten, leisteten die tapferen und stolzen Einwohner der Stadt, der Übermacht des Feindes zum Trotz, erbitterten Widerstand. Erst als die Lage volkommen auswegslos wurde, gaben sie dem Tod einer Fremdherrschaft den Vorzug: sie töteten ihre Frauen, Kinder und Sklaven und suchten selbst im Kampf den Tod. Das gleiche Schicksal sollte Xanthos ein halbes Jahrtausend später erneut widerfahren.

Die 80 Familien, die sich zu diesem Zeitpunkt außerhalb der Stadt aufhielten und dieses Massaker überlebten bauten Xanthos wieder auf. Nach einem Großbrand gegen Ende des 5. vorchristlichen Jahrhunderts, der weite Teile der Metropole zerstörte, erlangte Xanthos schließlich erneut seine Unabhängigkeit. Zu dieser Zeit entstanden Grabbauten, die weder dem griechischen noch dem orientalischen Kulturkreis zugeordnet werden können. Im Jahre 429 v. Chr. setzte sich Xanthos ohne großes Aufsehen zu erregen erfolgreich gegen einen Angriff der Athener zur Wehr. Es war der Beginn einer ersten, großartigen Blütezeit.

Als eine der wenigen Städte des Lykischen Bundes, setzte sich Xanthos 334 vor Christus anfangs auch gegen Alexander dem Großen zur Wehr, dem Feldherrn gelang es dennoch ohne nennenswerte Mühen die Stadt einzunehmen. Nach dem Tod Alexanders kam zunächst im Jahre 309 v. Chr. sein General Ptolemaios I. an die Macht, der bald das Zepter an die Ägypter abgeben musste, diese reichten es schließlich dem syrischen König Antiochos III. Wieder befand sich Xanthos im Aufschwung, trat 168 v. Chr. dem wiedergegründeten Lykischen Bund bei und wurde schon bald dessen Zentrum und Hauptstadt. Xanthos verwaltete auch das nahe gelegene Letoon, das wichtigste Heiligtum der Lykier.

Als im Jahre 42 v. Chr. der Cäsarmörder Brutus auf der Suche nach Geld und Söldnern für seine Schlacht gegen Marcus Antonius und Octavian nach Xanthos kam, setzten sich deren Einwohner erneut erbittert zur Wehr. Wie schon einmal in Ihrer Geschichte töteten sie ihre Frauen, Kinder und Sklaven und begingen anschließend Selbstmord, in dem sie sich von der Akropolis in den 100 m tiefer gelegenen Fluss stürzten. Dieses Ereignis erschütterte Brutus derart, dass er ein Preisgeld für jeden geretteten Krieger aussetzte. Auf diese Weise konnten 150 Einwohner ihr Leben behalten. Glaubt man dem griechischen Biographen Plutarch, so brach Brutus Zeit seines Lebens in Tränen aus, wurde er an diesen heldenhaften Vorfall erinnert. Als man dem römischen Staatsmann und Feldherren Marcus Antonius von dem Ereignissen berichtete, zeigte auch dieser sich erschüttert und ließ mit großzügiger finanzieller Unterstützung die zerstörten Teile der Stadt neu errichten. Viele Denkmäler, die man schon damals als Antiquitäten betrachtete, wurden sorgsam umgelagert und zum Teil auch restauriert. Es folgte die Pax Romana, eine Zeit, des Friedens und des Wohlstands für die Stadt.

Wärend der byzantinischen Zeit entstanden mehrere Kirchen und ein Kloster, Xanthos wurde zum Bischofssitz. Nach mehreren arabischen Überfällen ab dem 7. Jahrhundert n. Chr., wurde die Stadt nach und nach verlassen. Ab dem 10. Jahrhundert verödete Xanthos vollständig und geriet in Vergessenheit.


 

   
   
   
 

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