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Die Geschichte Istanbuls - Teil 4:
Aus Konstatinopel wird Istanbul

Byzanz
Konstantinopel 1
Konstantinopel 2
Istanbul in osmanischer Zeit 1
Istanbul in osmanischer Zeit 2
Istanbul im neuen türkischen Staat

Istanbul als osmanische Hauptstadt bis 1730

Gleich nach der Eroberung durch die Osmanen wird aus Konstantinopel Istanbul. Über den Namen gibt es zahlreiche Theorien und Spekulationen, die wohl wahrscheinlichste Erklärung leitet sich von „is tin polin“ ab, was soviel wie „er (der Türke) ist in der Stadt“ bedeutet. Der siegreiche Sultan lässt die Stadt drei Tage lang plündern. Bis auf die Juden und Genuesen werden die meisten Überlebenden vorwiegend nach Bursa und Adrianopel (Edirne) deportiert. Im Gegenzug wird Istanbul mit Menschen aus eroberten Gebieten neu besiedelt. Die Ansiedlung von Juden (wer hätte es gedacht?) wird gefördert, vor allem Vertriebene aus Spanien werden als willkommene Neubürger vom Sultan empfangen. Die meisten Kirchen und christliche Einrichtungen werden zu Moscheen umgebaut. Unter Mehmet II. wird Istanbul nach Söğüt (bis 1326), Bursa (bis 1365) und Adrianopel noch im Jahr der Eroberung zur vierten Hauptstadt des osmanischen Reiches. Bereits 1465 lässt Mehmet II. den mächtigen Topkapı (Kanonentor) Palast errichten, der in den folgenden Jahrzehnten (vor allem durch Süleyman II., genannt „der Prächtige“) mehr und mehr zu einer gigantischen Palaststadt erweitert wird.

Nach und nach entwickelt sich das osmanische Reich zur Weltmacht. Im Jahre 1512 gelingt Sultan Selim I. (1512-1520) die Eroberung Ägyptens. Istanbul wird als Sitz des osmanischen Kalifats zu einer der wichtigsten islamischen Metropolen. Unter Süleyman II. dem Prächtigen, der auch als Kanuni (dem Gesetzgeber) in die Geschichte eingeht, erstreckt sich das Reich von Ungarn über den Balkan bis hin über die Krim und Bagdad nach Nordafrika. Im Jahre 1529 stehen die Osmanen erstmalig vor den Toren Wiens. Den Bezug zur Realität hatten die Türken zu dieser Zeit jedoch noch nicht vollständig verloren, und sie geben die Belagerung schon sehr bald wieder auf. Süleyman widmet sich gegen Ende seiner Regierungszeit vermehrt seiner Stadt. Seinen genialen Hofarchitekten Sinan (den viele als den „osmanischen Michelangelo“ bezeichnen) beauftragt er mit dem Bau des größten Moscheenkomplexes der Welt. In nur fünf Jahren entsteht die imposante Süleymaniye Moschee.

Unter Süleymans Nachfolger Selim II. (1566-1574) beginnt das rund 300 Jahre währende „Sultanat der Frauen“ (von bösen Zungen, wie der des Autors auch als „Weiberherrschaft“ bezeichnet), eine Zeit in der die Gemahlinnen und Mütter der Sultane teils erheblichen Einfluss auf die Geschicke des Landes nehmen. Als „Mutter“ der weibliche Machtentfaltung, die unter Ibrahim (1640-1646, mit dem aussagekräftigen Beinamen „deli“ = „verrückt“) ihren Höhepunkt erreicht, geht Süleymans vierte Ehefrau Aleksandra Lisowskat (bekannter als „Roxelane“) in die Geschichte ein. 1609 gibt Sultan Ahmed I. (1603-1617) den Bau der Blauen Moschee in Auftrag, die nach knapp siebenjähriger Bauzeit seither mit ihren sechs Minaretten Einheimeische und Besucher beeindruckt. Um die Moschee ranken viele Geschichten und Legenden, deren Wahrheitsgehalt an dieser Stelle nicht geprüft werden soll. So soll man beispielsweise von jedem beliebigen Punkt, von der die Moschee zu sehen ist auch alle sechs Minarette erkennen können. Andere wiederum behaupten die sechs Minarette seien durch ein Missverständnis entstanden, der Baumeister hätte die Anweisung „aus Gold“ (altın) mit „sechs“ (altı) verwechselt. Im Jahre 1613 lässt der fromme Ahmed Tabak und Alkohol verbieten.

Unter Mehmed IV. (1648-1687) wird Wien im Jahre 1683 erneut belagert. Trotz genialer Kriegsstrategien gelingt die Eroberung nicht, Mehmeds Truppen werden vernichtend geschlagen. Nichtsdestotrotz wäre die Sache aus Sicht der Europäer beinahe um sprichwörtliche Haaresbreite ins Auge gegangen, und ohne die Polen wäre Polen offen in Europa... Im Begriff weite Teile der wienerischen Befestigungsanlage in die Luft zu sprengen, die Lunte schon bereit, kommt den Wienern das mächtige Entsatzheer von rund 60-70 000 Kriegern, vorwiegend Polen, zur Hilfe. Die verehrende Niederlage leitet den Untergang des Reiches ein, kulturell jedoch öffnet es sich zunehmend dem Westen. Zu allem Überfluss (diesmal aus Sicht der Türken) werden die Osmanen mehr und mehr von Österreich, Venedig und Russland in die Zange genommen.

Die Besitzverhältnisse können erst im Jahre 1718 unter Ahmed III. (1703-1730) im Vertrag von Passarowitz geklärt werden. Der Balkan wird als westliche Grenze des osmanischen Reichs festgelegt. Durch technischen Fortschritt des Westens verlieren die Osmanen langsam aber beständig an Boden. In der westlichen Diplomatie fällt zu dieser Zeit erstmalig der Begriff der „Hohen Pforte“, der sich schon bald als Bezeichnung für die osmanische Regierung etabliert. Der Sultan kümmert sich weniger um die Sicherung der Reichsgrenzen, vielmehr liegt ihm an der Pflege und der Neuerrichtung teurer Paläste und Gärten, der Import teurer Tulpen aus Holland wird zu seinem kostspieligen Steckenpferd. Aus diesem Grund setzen ihn die Janitscharen im Jahre 1730 zu Gunsten Mahmud I. (1730-1754) kurzerhand ab. Wenn man so will, handelt es sich um den ersten Militärputsch der türkischen Geschichte.

Teil 5 (Istanbul bis zum Ende des osmanischen Reichs)


   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
     
     
     
     
     
     
     
 
 
     
 
 
 

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