Levoča - die Königin der Zips

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Begründung der Aufnahme (1993):

  • Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung

Levoča (deutsch: Leutschau) - gerade einmal etwa 14.000 Seelen wohnen heute in Levoča, der kleinen Perle in der Zips, die auch gerne als ihre Königin bezeichnet wird. Über die Jahrhunderte hinweg konnte Levoča ihr mittelalterliches Stadtbild bewahren, gelegentlich wird die kleine Ortschaft sogar mit Rothenburg ob der Tauber verglichen. Die Kulturdenkmäler der Stadt, die Nähe zum Nationalpark Slowakisches Paradies (Slovenský Raj) und zur Hohen Tatra machten Levoča in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem (noch) kleinen aber überdurchschnittlich attraktiven Touristenzentrum. Zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten und andere Freizeitaktivitäten werden dem Besucher geboten. So mancher soll beim Anblick des größten Flügelaltars der Welt (18,67m hoch) in der Kathedrale des hl. Jakob (Chrám sv. Jakuba), den kein minderer als der slowakische Bildhauer Meister Paul von Leutschau errichtet hat, ehrfürchtig geworden sein. Vom etwa 20 km westlich gelegenen Poprad ist Levoča einfach über die Hauptstraße 18 zu erreichen.

Seit wann genau die Region um Levoča besiedelt ist, lässt sich heute nicht mit Sicherheit nachvollziehen. Bekannt ist jedoch, dass Levoča im Jahre 1241 von den Mongolen verwüstet wurde. Überwiegend aus Sachsen angereiste Siedler bauten die Stadt wieder auf. Bereits 1271 wurde Levoča mit Stadtrechten bedacht. 20 Jahre später wurde die aufstrebende Ortschaft Hauptstadt der Region und mit zahlreichen Privilegien versehen. Zu dieser Zeit verwaltete sie über 20 Städte in der Zips. 1321 erhielt Levoča das sog. Stapelrecht. Das Stapelrecht verpflichtete Kaufleute auf ihrer Durchreise mindestens 15 Tage Halt zu machen und ihre Waren zum Kauf anzubieten. Dieses Privileg versuchte das benachbarte Kežmarok den Einwohnern Levočas immer wieder streitig zu machen. Über 250 Jahre hinweg kam es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Nachbarn. Genauso, wie die Rivalin wurde aber Levočaim Jahre 1412 nicht an Polen verpfändet.

In folgenden Jahrhunderten konnte sich Levoča bald als wichtigstes Handelszentrum Ungarns behaupten, auch wenn viele wichtige Geschäftspartner sich mehr und mehr um Handelsbeziehungen mit dem neuentdeckten Amerika kümmerten. Als die Lehren des Reformators Martin Luther (1483-1546) Levoča erreichten, bedurfte es keiner großartigen Überzeugungsarbeit an den weltoffenen Bürgern: 1544 konvertierte die deutsche Bevölkerung der Stadt (samt Pfarrer) zum Protestantismus. Im Jahre 1550 verwüstete ein Großbrand weite Teile der Stadt. Schon fast traditionell erwiesen sich ihre Einwohner jedoch als "Stehaufmännchen" und leiteten einen regelrechten Bauboom ein. Die meisten großartigen Bauten im Stile der Renaissance stammen aus dieser Zeit. Im Jahre 1600 viel rund die Hälfte der Einwohner Levoča der Pest zum Opfer.

Zwar war Levoča noch in den folgenden beiden Jahrhunderten ein wichtiges Handelszentrum, es verlor aber langsam und stetig an Bedeutung. Als im Jahre 1871 beim Bau der Eisenbahnlinie von Žilina (Sillein) nach Košice (Kaschau) um Levoča ein weiter Bogen gemacht wurde, fiel Levoča in einen Dornröschenschlaf, obgleich es bis 1923 noch administratives Zentrum der Zips blieb.


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