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Tabriz - die Stadt der Pioniere

präsentiert von xago - Das Welterbe
Tabriz - geschichtlicher Überblick
Tabriz in vorislamischer Zeit
Tabriz im Mittelalter
Tabriz in der Zeit der Safawiden, Afsharen und Qajaren
Tabriz im 20. Jahrhundert
Wichtige Sehenswürdigkeiten in Tabriz
Die Blaue Moschee
Arg-e Alishah
Der historische Basar
Das Aserbaidschan Museum
Das Grabmal der Poeten
Die Saheb-ol-Amr-Moschee
Die Freitagsmoschee
Der El Goli Park
Weitere Sehenswürdigkeiten in Tabriz (Auswahl)
Auswahl bedeutender Persönlichkeiten
Shams Tabrizi
Nasser al-Din Shah
Iraj Mirza
Mohammad Taqi-Khan Pesyan
Weitere bedeutende Persönlichkeiten aus Tabriz
Das Klima in Tabriz
Universitäten in Tabriz
Partnerstädte
Konsulate in Tabriz
Nützliche Informationen für die Reise nach Tabriz
Geldwechsel
Tourist Information
Visaverlängerung
Krankenhäuser
Weblinks
Quellen und weiterführende Literatur
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Tabriz (persisch: تبریز, aserbaidschanisch: Təbriz, in deutscher Transkription gelegentlich auch Täbris 1), die Hauptstadt der nordöstlichen Provinz Ostaserbaidschan, liegt auf rund 1360 Metern Höhe am Fuße des erloschenen Vulkans Kuh-e Sand (3710m). Seit jeher eines der wichtigsten Handelszentren an der Seidenstraße, ist Tabriz heute mit rund 1,7 Mio. Einwohnern die weitaus größte und bedeutendste Metropole im Nordwesten des Landes. Zählt man die Vororte mit, kommt man auf weit über 2 Mio. Einwohner. Die unzähligen Heilquellen der Umgebung versprechen eine Vielzahl an Schmerzen, Leiden und Gebrächen zu lindern. Der britische Ägyptologe David Rohl will in der Hochebene zwischen Tabriz und dem Urmiasee (persisch: دریاچه‌ ارومیه) sogar den biblischen Garten Eden lokalisiert haben. Das angenehme Klima macht einen Besuch ganzjährig möglich, in den Wintermonaten kann es jedoch schon mal empfindlich kalt werden, die Temperaturen fallen nicht selten sogar unter 20°C. Die geringe Luftfeuchtigkeit macht auch die sehr heißen Sommertage erträglich. Leider zählt die Region um Tabriz aber auch zu den tektonisch aktivsten Gebieten. Viele historisch bedeutende Baudenkmäler der Stadt fielen in der Vergangenheit Erdbeben zum Opfer. Die verheerendsten Schäden erlitt die Stadt in den Jahren 791, 858, 1041, 1273, 1721 und 1780. Im Jahre 2012 forderte ein Beben etwa 60 km nordöstlich der Stadt über 300 Menschenleben. Umgangssprachlich wird Tabriz auch manchmal als „die Stadt der Pioniere“ (persisch: شهر اولین‌ها‎‎) bezeichnet.

Tabriz - geschichtlicher Überblick

Tabriz in vorislamischer Zeit

Über die frühe Geschichte der Stadt ist uns bedauerlicherweise nicht viel bekannt. Vermutlich war die Region schon um 2000 vor Christus besiedelt. Bei Bauarbeiten nahe der Blauen Moschee stieß man auf einen Friedhof, dessen Alter mit Hilfe der Radiokarbonmethode auf über 3800 Jahre bestimmt werden konnte. Einige assyrische Keilschriften aus der Zeit Sargons II. (721 - 705 v. Chr.) erlauben auch die Vermutung, dass Tabriz schon in jenen Tagen von Bedeutung war. Ob die in den Schriften erwähnte Festung "Tauri" jedoch mit Tabriz in Zusammenhang steht, ist historisch nicht gesichert. Auch aus der Dynastie der Sassaniden (224 - 642) gibt es Hinweise auf eine Stadt, jedoch lassen auch diese sich nicht konkretisieren. Es wird vermutet, dass die Stadt im 3. Jahrhundert nach Christus sogar kurzzeitig die Hauptstadt Aserbaidschans war. Eine andere These geht davon aus, dass Tabriz im Jahre 791 von Zubaideh, einer der Frauen des Abbasiden Harun ar-Rashid, gegründet wurde. Noch im 8. Jahrhundert entstand ein Vorläufer des berühmten Basars, der immer wieder erweitert oder bei Bedarf auch wiedererrichtet wurde und der heute von der UNESCO auf der Liste des Weltkulturerbes geführt wird.

Tabriz im Mittelalter

Im Jahre 1208 wurde Tabriz von den georgischen Brüdern Ivane und Zakaria Mkhargrdzeli erobert und in das Königreich Georgien (978 – 1403) eingegliedert. Der venezianische Kaufmann Marco Polo soll die Stadt 1275 auf seiner Reise nach China besucht haben. Eine erste große Blütezeit erlebte Tabriz zu Beginn des 14. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Ilkhaniden (1256 - 1353), die Tabriz vorübergehend sogar zu ihrer Hauptstadt machten. Die Stadt wurde zu einer prachtvollen Residenz ausgebaut, mehrere Bauherren wetteiferten um die schönsten und prunkvollsten Gebäude, allen voran der Großwesir und Historiker Rashid ad-Din und sein Konkurrent Tadj ad-Din Alishah. Letzterer ließ in den Jahren 1316 – 1335 die vermutlich größte Moschee des Mittelalters, die auf Grund ihrer überdimensionalen Bauweise häufig (fälschlicherweise) als Zitadelle von Tabriz bezeichnet wird, erbauen. 1356 und 1357 wurde Tabriz erfolglos von den Muzzafariden, die ihr Kernland im Süden des heutigen Irans hatten, belagert. Obgleich die Erfolgsaussichten nur gering erschienen, entschied man sich, die Hauptstadt kurzzeitig in das rund 130 km südlich gelegene Maragha (persisch: مراغه) zu verlegen. Unterdessen entwickelte sich die Metropole mehr und mehr zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Viele namhafte Ärzte und Gelehrte ließen sich in Tabriz nieder, es entstand eine christliche und eine jüdische Gemeinde. Die Freude währte jedoch nicht lange, 1392 nahm Timur Leng die Stadt ein, plünderte sie, errichtete eine seiner berüchtigten "Schädel Pyramiden" und machte sie schließlich dem Erdboden gleich.

Doch schon mit Beginn des 15. Jahrhunderts begann die kurzlebige turkmenische Lokaldynastie der Kara Koyunlu (1380 – 1468, aserbaidschanisch: Qaraqoyunlu dövləti, persisch: قراقویونلو, türkisch: Karakoyunlular, zu Deutsch etwa: „die mit den schwarzen Schafen“) mit dem Wiederaufbau. Ihr Stammesfürst Dschahan Schah, der von 1438 bis 1467 regierte, erhob die Stadt sogar zur Hauptstadt seines Reiches. Ihm verdanken wir auch die Blaue Moschee (مسجد کبود), die im Jahre 1465 erstmals fertiggestellt wurde. Ab 1468 herrschten kurzzeitig die Ak Koyunlu (1389 – 1507, aserbaidschanisch: Ağqoyunlu dövləti, persisch: آق‌قویونلو, türkisch: Akkoyunlular, zu Deutsch etwa: „die mit den weißen Schafen“), bevor im Jahre 1501 schließlich die Safawiden (1501 – 1722) unter Schah Ismail I. nach ihrem Sieg über die turkmenische Stammesföderation das Zepter übernahmen. Auch Ismail I. (*1487 - †1524) machte Tabriz zur ersten Hauptstadt seines neugegründeten Reiches. Zu dieser Zeit zählte die Metropole rund 300 000 Einwohner, was sie zur fünftgrößten Stadt der Welt machte.

Tabriz in der Zeit der Safawiden, Afsharen und Qajaren

In den folgenden zwei Jahrhunderten hatte Tabriz immer wieder unter den Osmanen zu leiden, die erstmals am 5. September 1514 unter Selim I. die Stadt eroberten. Die Safawiden konnten jedoch noch im gleichen Jahr die Macht zurückgewinnen. Dennoch verlegte im Jahre 1548 Schah Tahmasp seinen Regierungssitz sicherheitshalber nach Qazvin (persisch: قزوين), noch bevor im Jahre 1598 sich Schah Abbas der Große (*1571 - †1629) für Isfahan (persisch: اصفهان) als Hauptstadt des Reiches entschied. Immer wieder stürmten die Türken die Stadt, konnten jedoch die Herrschaft nie lange behalten. Auch der am 22. Mai 1755 zwischen Persern und und Osmanen geschlossene „Friede von Amasya“ (persisch: پیمان آماسیه) währte gerade einmal 20 Jahre. Erneut war Tabriz den anhaltenden Angriffen der Osmanen ausgeliefert. Trotz aller Widrigkeiten gewann die Stadt immer mehr an Bedeutung und wurde stets weiter ausgebaut. Schenkt man dem französischen Forschungsreisenden Jean Chardin (1643 – 1713) Glauben, so betrug die Einwohnerzahl gegen Ende des 17. Jahrhunderts bereits weit über 500 000. Bei einem verheerenden Erdbeben im Jahre 1721 kamen rund 80 000 Einwohner ums Leben. Als sich die Bürger gerade wieder etwas von diesem Schock erholt hatten, vielen 1724 erneut die Osmanen ein und töteten rund 200 000 (zweihunderttausend!) Einwohner. Zwar konnten im Jahre 1730 die Osmanen endgültig zurückgeschlagen werden, doch waren die glorreichen Tage der Safawiden vorüber. Im Jahre 1736 übernahmen die Afsharen die Geschicke des Landes, so auch die der vom Schicksal gebeutelten Metropole Tabriz.

Im Jahre 1757 konnte Mohammad Hasan Khan Qajar (persischمحمدحسن خان قاجار‎‎) Tabriz einnehmen. Sein Sohn Agha Mohammad Khan regierte von 1794 bis 1797 und gründete die Dynastie der Qajaren. Während dieser Dynastie, die mit dem Tod ihres letzten Herrschers Ahmed Schah im Jahre 1925 endete, war Tabriz steter Sitz des Thronfolgers, was wiederum die Bedeutung der Stadt zu dieser Zeit hervorhebt. Das änderte sich auch nicht, als von 1762 bis 1785 die Zand kurzzeitig die Geschicke der Stadt übernahmen. Die kurzlebige Dynastie der Zand regierte von 1750 bis 1794 in weiten Teilen Persiens. In den Jahren 1826 bis 1828 besetzten russische Truppen die Stadt und gliederten sie 1827 sogar in das russische Reich ein. Nach dem „Frieden von Turkmantschai“, der am 22. Februar 1828 den letzten russisch-persischen Krieg beendete, zogen sich die russischen Truppen wieder zurück und Tabriz blieb persisch. Im Jahre 1830 kostete eine Cholera Epidemie zahlreichen Einwohnern das Leben. Trotzdem blieb Tabriz weiterhin das wichtigste Handelszentrum des Landes, vor allem, was den Handel mit Europa und Russland anbetraf. Allein im Jahre 1879 wurden über Tabriz ins türkische Trabzon Teppiche aus ganz Iran im Wert von 65 000 Pfund Sterling exportiert. Das Musée du Louvre entsandte sogar jährlich einen Experten in die Stadt um Einkäufe zu tätigen.

Tabriz im 20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Tabriz neben Teheran das wichtigste Zentrum der konstitutionellen Revolution, deren Ziel es war, die bis dahin absolute Monarchie durch ein parlamentarisches Regierungssystem zu ersetzen. Gerade in Tabriz fand die Idee der konstitutionellen Revolution zahlreiche Anhänger, darunter Aristokraten, Gelehrte, Handwerker, Kaufleute und sogar einige Geistliche. Nicht zuletzt die nicht endenden Aufstände in Tabriz führten die Reformer schließlich zum Erfolg, wenn auch mit Hürden und Einschränkungen. Die erarbeitete Verfassung blieb mit nur wenigen Änderungen bis zur islamischen Revolution im Jahre 1979 in Kraft.

Am 12. Dezember 1945 wurde auf dem Nationalkongress der Demokratischen Partei in Tabriz die Autonome Republik Aserbaidschan (ARA, aserbaidschanisch: Azərbaycan Milli Hökuməti, russisch: Азербайджанское народное правительство  , persisch: حکومت خودمختار آذربایجان) ausgerufen. Zum ersten und einzigen Regierungschef wurde Jafar Pischevari gewählt. Nach nur einem Jahr besetzte jedoch die iranische Armee am 12. Dezember 1946 Tabriz. Da die Sowjetunion auf Grund massiven westlichen Druck der neugegründeten Republik die Unterstützung verweigerte, hatten die Einwohner der iranischen Übermacht nicht viel entgegenzustellen. Jafar Pischevari floh nach Baku im aserbaidschanischen Teil der Sowjetunion (heute Republik Aserbaidschan), wo er auf mysteriöse Weise und bis heute ungeklärt am 11. Juni 1947 bei einem Autounfall ums Leben kam.

In den folgenden Jahren versank Tabriz zunächst ein wenig in einen Dornröschenschlaf, aus dem es erst gegen Ende der 1970er Jahre durch eine zunehmende Industrialisierung und dem Bau einer bedeutenden Ölraffinerie allmählich erwachte. Waren es bis dahin Leder, Textilien und vor allem Teppiche, die der Stadt Reichtum bescherten, so sind es heute Öl, Maschinen und Fahrzeuge. Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion und der damit verbundenen Öffnung einiger Grenzen, gewann Tabriz erneut an wirtschaftlicher Bedeutung. Heute ist Tabriz nach Teheran, Mashhad und Isfahan die viertgrößte Metropole im Iran.

Wichtige Sehenswürdigkeiten in Tabriz

Die Blaue Moschee

Die Blaue Moschee (persisch: مسجد کبود, Masdsched-e Kabud) ist neben dem historischen Basar die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt. Sie wurde von Khatun Jan Beygom, einer Frau des Stammesfürsten Dschahan Schah, in Auftrag gegeben und im Jahre 1465 fertiggestellt. Nach dem Abschluss der äußerlichen Bautägigkeiten benötigten die Kaligrafen und Baumeister noch weitere 25 Jahre für die Vollendung der zahlreichen Inschriften und Verzierungen mit den kobaltblauen Fließen, die ihr ihren Namen gaben und weit über die Grenzen des Landes hinaus berühmt machten. Die nahezu vollständig aus Ziegeln errichtete Moschee gleicht äußerlich fast einer Festung und zählt zu den absoluten Meisterwerken der timuridischen Baukunst. Ihr ungewöhnlicher Baustil erinnert eher an osmanische Monumente als an persische. Im südlichem Teil des Komplexes befindet sich ein überkuppeltes Mausoleum, in dem der Fürst nach seinem Tod im Jahre 1467 bestattet wurde. An den Ecken der breiten Fassade standen einst Minarette. Vermutlich wurden innerhalb der Mauern des Komplexes auch eine Bibliothek, eine öffentliche Badeanstalt und eine Koranschule errichtet, deren spärliche Überreste für den Laien jedoch nur schwerlich einzuordnen sind. Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Blaue Moschee mehrfach geplündert oder durch Erdbeben stark beschädigt. Am schlimmsten setzte ihr das Beben von 1780 zu. Der Gebäudekomplex wurde fast vollständig zerstört, nur Teile der eigentlichen Moschee und des Mausoleums blieben erhalten. Im Jahre 1951 fanden erste Renovierungsarbeiten statt. Von 1973 bis 2013 wurde das Bauwerk aufwändig und sehr durchdacht vorwiegend unter der Leitung des Architekten und Mäzens Mohammad Reza Memaran Benam (محمدرضا معماران بنام) wiedererrichtet.

Besichtigung: täglich 8 bis 18 Uhr
Eintritt: 150 000 Rial (ca. 4,50 Euro)
(Stand: Juli 2016)

Arg-e Alishah

Von der ursprünglich als Freitagsmoschee errichteten Arg-e Alishah (persisch: ارگ علیشاه‎‎, gelegentlich auch Arg-e Tabriz, persisch: ارگ تبریز) ist nicht mehr viel übrig. Heute sind von dem gewaltigen Bau nur noch die Front mit zwei Toren, die einen Turm umschließen, erhalten. Die gewaltigen 28 Meter hohen Mauern lassen die Dimensionen der zerstörten Moschee nur erahnen. Der Großwesir Tadj ad-Din Alishah ließ den prächtigen Gebäudekomplex unter der Herrschaft Ilkhaniden (1256 – 1353) unter der Leitung des damals sehr angesehenen Architekten Falaki Tabrisi erbauen. Bereits im Jahre 1316 wurde mit dem Bau begonnen. Bis zur Fertigstellung sollten jedoch fast 20 Jahre vergehen. Das Hauptgebäude war die größte Bogenhalle, die jemals im Iran erbaut wurde, das gesamte Ensemble eine der größten Moscheen des Irans. Angeblich sollen einige Herrscher der Qajaren ihre Frauen, die sie der Untreue bezichtigten, diese von den Mauern des Monuments heruntergestoßen haben. Der Legende nach, soll eine der Frauen, den Sturz überlebt haben, da sie ihren Umhang als Fallschirm einzusetzen wusste. Der Komplex beherbergte auch eine Medresse (Koranschule), die in der Zeit der Safawiden (1501-1721) zu einer bedeutendsten Bildungseinrichtung in der Region um Tabriz erweitert wurde. Zwar wurde das Bauwerk durch zahlreiche Erdbeben immer wieder beschädigt, die eigentliche Zerstörung erfolgte aber durch die Osmanen, unter dessen Einfällen Tabriz immer wieder zu leiden hatte. Während der persisch-russischen Kriege wurden die Überreste auch zeitweise als Kaserne bzw. Lagerhalle genutzt. Ein großer Teil der Ruinen wurde (trotz heftiger Proteste) im Jahre 1981 gesprengt, um somit Platz für eine neue Freitagsmoschee zu schaffen. Die Bezeichnung „Arg“ (ارگ) ist nicht ganz richtig, da „Arg“ die Bezeichnung für eine Zitadelle oder einen Palast ist. Die gewaltigen Ausmaße der Überreste führten zu diesem irrtümlichen Schluss. Die Organisation für Kulturerbe, Handwerk und Tourismus unternahm im Jahre 2013 einige aufwändige Restaurierungsarbeiten.

Der historische Basar in Tabriz – Weltkulturerbe der UNESCO

(offizielle Bezeichnung der UNESCO: Der historische Basar in Täbris)

Begründung der Aufnahme (2010):

  • Zeugnis kulturellen Austauschs
  • Zeugnis einer Kultur
  • Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung

Der historische Basar in TabrizDer historische Basar in Tabriz (persisch: بازار تبریز‎‎, aserbaidschanisch: Təbriz Bazarı) ist der größte überdachte Basar der Welt. Schon kurz nach der islamischen Eroberung entstand an der Stelle des heutigen Basars ein erstes Handelszentrum, das im 15. Jahrhundert erstmals mehr oder weniger in seine heutigen Form erweitert wurde. Das fast ein Quadratkilometer große Komplex aus verwinkelten Gassen, Innenhöfen, Medressen und Moscheen wurde jedoch im Laufe der Jahrhunderte immer wieder durch Erdbeben oder Plünderer stark beschädigt. So oft Teile des Basar jedoch zerstört wurden, wo oft wurden sie auch wieder neuerrichtet und restauriert. Die meisten noch erhaltenen historischen Gebäude stammen aus aus der Dynastie der Zand (1750-1794, persisch: سلسله زند). Über Jahrhunderte hinweg war der historische Basar von Tabriz eines der wichtigsten Handelszentren an der Seidenstraße und noch heute ist er die Lebensader der Stadt. Das Ensemble ist in mehrere kleinere Bereiche unterteilt, die für sich jeweils als eigener Basar betrachtet werden könnten. Besonders sehenswert sind hier der Amir Basar (persisch: بازار امیر) für Gold, Schmuck und Edelsteine, der Basar-e Mozzafarieh (persisch: بازار مظفریه), Hauptumschlagplatz für Teppiche, die akkurat nach Typ und Qualität sortiert werden und das Viertel der armenischen Silberschmiede. Der Basar ist jedoch vielmehr als nur ein Handelszentrum. Er ist auch ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausch. Nebst Gold und Silber wurden hier auch schon zahlreiche Pläne geschmiedet, die den Basar zu einem wichtigen Stützpunkt der konstitutionellen und der islamischen Revolution machten.

Während des Ashuras (عاشورا), dem Tag, an dem die Schiiten des Todes ihres dritten Imams Husain in der Schlacht von Kerbela gedenken, stellen die Geschäftsleute im Basar für zehn Tage den Handel ein. Gedenkfeiern, Andachten, Vorträge und Gebete werden abgehalten.

Seit dem Jahre 2010 wird der historische Basar von Tabriz von der UNESCO auf der Liste des Weltkulturerbes geführt. Die UNESCO erklärt die Aufnahme wie folgt:

Der historische Basar von Tabriz erfüllt drei von sechs Kriterien, die für die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes relevant sind.

Zeugnis kulturellen Austauschs (ii.)
Dank der jahrhundertealten Handelsrouten war Tabriz - und vor allem sein historischer Basar - eines der wichtigsten kulturellen und wirtschaftlichen Zentren Asiens zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert. Der Basar ist ein außergewöhnliches Zeugnis urbaner Architektur in dieser Epoche. Dies spiegelt sich insbesondere in seiner vielfältigen und sorgsam in die Umgebung integrierten Architektur wieder. Sein durchdachtes Konzept, seine Ausmaße und sein architektonischer Reichtum zeugen von der Bedeutung für den intentionalen Handel in jeder Zeit.

Zeugnis einer Kultur (iii.)
Der Basar von Tabriz ist sowohl kommerziell als auch multikulturell ausgerichtet. Sein außergewöhnlicher Baustil, der sowohl politische, religiöse, soziale und wirtschaftliche Elemente enthält, zeugt von einer Kultur, die noch heute in Tabriz und seiner Umgebung präsent ist. Dank seiner strategisch günstigen Lage und einer vorausschauenden Organisation, konnte sich der Basar zu einem Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen entfalten, aus der sich im Laufe der Jahrhunderte eine eigene Identität herauskristallisierte.

Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung (iv.)
Der Basar von Tabriz ist ein hervorragendes Beispiel für einen vielseitigen Gebäudekomplex, der durch einzigartige Architektur kommerzielle Tätigkeiten mit sozialen Bedürfnissen kombiniert. Auf einem verhältnismäßig kleinen Bereich sind unterschiedliche Einrichtungen sehr gut aufeinander abgestimmt und bilden in ihrer Gesamtheit ein einheitliches Ensemble.

Das Aserbaidschan Museum

Unweit der Blauen Moschee liegt das Aserbaidschan Museum (persisch: موزه آذربایجان), das auf drei Ebenen hoch interessante archäologische und ethnologische Exponate zeigt. Der Name mag etwas irreführend sein, da die Sammlung Gegenstände aus dem gesamten Iran beinhaltet. Das Museum wurde vom französischen Archäologen und Architekten André Godard (*21. Januar 1881, †31. Juli 1965), der auch die Pläne für das Nationalmuseum in Teheran entwarf, erbaut. Im Erdgeschoss des Gebäudes ist die Ausstellung auf die vorislamische Zeit ausgerichtet, im ersten Stock findet der Besucher Exponate ab der Ära der Abbasiden (749 - 1258). Im Untergeschoß werden überwiegend zeitgenössische Skulpturen gezeigt. Besonders sehenswert sind die kostbaren Goldarbeiten aus der Zeit der Achämeniden (559 – 330 v. Chr.). Der riesige Grabstein an der Wand des Treppenhauses war ursprünglich für die große Moschee in Medina gedacht. Da man sich aber mit dem Steinmetz nicht über die Zahlungsmodalitäten einigen konnte, blieb der mächtige Stein in Tabriz.

Öffnungszeiten:
Sommer: 8:00 – 14:00 und1 6:00 – 20:00 Uhr
Winter: 8:00 – 17:00 Uhr
Eintritt: 150 000 Rial (ca. 4,50 Euro)
(Stand: Juli 2016)

Das Grabmal der Poeten

Das Grabmal der Poeten (persisch: مقبرتشارا), auch als Dichterfriedhof bezeichnet, ist ein 1962 geplantes und 1988 eingeweihtes Stahlmonument im Zentrum von Tabriz. Rund 400 überwiegend aserbaidschanische Persönlichkeiten aus Kunst, Politik und Wissenschaft sind hier bestattet. Derzeit wird das gigantische Denkmal aufwändig umgebaut und erweitert. Zu den prominentesten Persönlichkeiten, die am Grabmal des Poeten beigesetzt wurden, zählen die Dichter Asadi Tusi, Qatran Tabrizi, Anvari Abivardi, Homam Tabrizi, Aziz Khan Mukri und der unter dem Pseudonym Darvish bekannte, im Jahre 2009 verstorbene, Poet Aziz Dowlatabadi.

Die Saheb-ol-Amr-Moschee

Die Saheb-ol-Amr-Moschee (persisch: مسجد صاحب‌ الامر) wurde von dem Herrscher der Safawiden Schah Safi I. (1611 – 1642, persisch شاه صفی) in Auftrag gegeben und im Jahre 1636 fertiggestellt. Zunächst wurde die Moschee zu Ehren des zweiten Herrschers der Safawiden Tahmasp Moschee genannt. Die Moschee wurde jedoch nicht von diesem erbaut, wie häufig fälschlich behauptet wird (Schah Tahmasp I. starb bereits 60 Jahre zuvor am14. Mai 1576). Keine zwei Jahre später wurde sie von den Osmanen, die wieder einmal ihr Unwesen in Tabriz trieben, unter Murat IV. geplündert und fast restlos zerstört. Kaum wieder aufgebaut, viel sie nur kurz darauf einem Erdbeben zum Opfer. Nach ihrer erneuten großzügigen Sanierung wurde sie zu Ehren des sogenannten zwölften Imams Muhammad ibn Hasan al-Mahdi, der den Titel Saheb ol Amr („der Befehlshaber“) trug, umbenannt. Der Mäzen Mirza Ali Akbar Khan, ein Dolmetscher am russischen Konsulat, ließ die Moschee im Jahre 1850 renovieren und um eine Schule erweitern.

Die Freitagsmoschee

An das südliche Ende des historischen Basars grenzt die Freitagsmoschee aus seldschukischer Zeit, die im Laufe ihrer Geschichte immer wieder restauriert, erweitert und teils auch wiederaufgebaut wurde. Von der ursprünglichen Moschee ist heute nicht mehr viel übrig. Die gemauerten Kuppeln werden von insgesamt 24 auf vier Reihen verteilten Säulen getragen.

Die Saheb-ol-Amr-Moschee

Abul-Fath Tahmasp I. (persisch طهماسب)

Der El Goli Park

Der El Goli Park (persisch: ائل گلی, aserbaidschanisch: El Gölü) liegt etwa 7 Kilometer südöstlich des Stadtzentrums. Der prächtige Park wurde vermutlich in der Zeit der Ak Koyunlu (1389 – 1507) mit einem künstlichen See versehen. Der sechseckige Bau auf der Halbinsel wurde ebenfalls von den Ak Koyunlu erbaut und in späterer Zeit zunächst von den Safawiden erweitert. Von den Qajaren wurde das Bauwerk großzügig erneuert und erweitert. Heute beherbergt es ein Restaurant, in dem angeblich die längsten Schaschlikspieße Irans angeboten werden. Von der Terrasse des Restaurants genießt man einen atemberaubenden Blick auf den südlichen Teil der Stadt und ihrer Umgebung. Der Park gehört zu dem beliebtesten Freizeitanlagen der Bewohner von Tabriz. Im Sommer können hier für wenig Geld Tretboote gemietet werden.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Tabriz (Auswahl)

Zu den Wahrzeichen Tabriz' zählen neben den mächtigen Überresten des Arg-e Alishah auch das Rathaus und der dazugehörige Uhrturm. Beides wurde in den 1930ern nach russischem Vorbild erbaut. Das Muze-ye Sanjesh (persisch: موزه سنجش) wurde in einem alten Privathaus eingerichtet und zeigt Dinge des Alltags, sowie alte Gewichte und Längenmaße. Das Architekturmuseum gehört zur Universität Tabriz und hat nur freitags geöffnet. Auch das Museum des Dichters, Musikers und Kalligrafen Shahriyar (eigentlich Mohammad Hossein Behjat Tabrizi) lohnt einen Besuch. In dem Haus, in dem Shahriyar bis zu seinem Tod lebte, werden persönliche Gegenstände, Instrumente und zahlreiche Werke des Künstlers ausgestellt. Nebst zeitgenössischer Schriften werden im Qajaren Museum auch unter anderem Glas, Keramik, Kleidung, Musikinstrumente, Münzen und Waffen gezeigt.

Schon sehr frühzeitig hat sich in Tabriz auch eine christliche Gemeinde – zumeist armenisch – etabliert. Das Zusammenleben zwischen Muslimen und religiösen Minderheiten funktioniert seitens der Bevölkerung vergleichsweise gut (seitens des Regimes sieht die Geschichte wiederum anders aus – das nur am Rande). Tabriz verfügt über insgesamt sechs Kirchen, von denen die armenische St.-Marien-Kirche (persisch: کلیسای مریم مقدس) die sehenswerteste ist. Sie wurde im Jahre 1785 fertiggestellt und in jüngerer Zeit aufwändig restauriert.

Auswahl bedeutender Persönlichkeiten aus Tabriz

Shams Tabrizi

Der Mystiker Shams Tabrizi (persisch: شمس تبریزی, auch Shams al-Din Mohammad) wurde vermutlich im Jahre 1164 als Sohn des Gelehrten Ali ibn Malik Dad in Tabriz geboren. Andere Quellen geben 1185 als sein Geburtsjahr an. Er wird vor allem als der spirituelle Lehrer des Sufi-Mystikers Rumi (eigentlich Jalal ad-Din Muhammad Rumi), auf den der in Konya (Türkei) ansässige Mevlevi-Derwisch-Orden zurückzuführen ist, verehrt. Shams Tabrizi verbrachte seine ersten Lebensjahre in seiner Heimatstadt und genoss auch hier eine erstklassige Schulbildung. Über sein weiteres Leben sind trotz einer umfangreichen Autobiografie nur wenige Erkenntnisse wirklich gesichert, zum Teil widersprechen sie sich gegenseitig. Bevor er sich in Konya niederließ, wo er seinen berühmten Schüler traf, soll er von Ort zu Ort gezogen sein. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Korbflechter und durch den Verkauf von Gürteln. Der Legende nach, soll er auf mysteriöse Weise von Konya verschwunden und seitdem nicht mehr aufgetaucht sein. Verlässt man das Reich der Legenden, so ist es am wahrscheinlichsten, dass er Konya verließ und sich in Khoy (persisch: خوی , heute iranische Provinz West-Aserbaidschan) niederließ, wo er auch verstarb. Ihm zu Ehren wurde ein prächtiges Grabmal errichtet.

Nasser al-Din Shah

Nasser al-Din Shah (persisch: ناصرالدین شاه قاجار , geb. 16. Juli 1831 in Tabriz, † 1. Mai 1896 in Teheran) war der letzte absolutistische Herrscher des Irans. Er stammte aus der Dynastie der Qajaren und regierte fas 48 Jahre von 5. September 1848 bis zu seinen Tod. Nur der Sasanide Shapur (Regierungszeit 309 – 379) und der Safawide Tahmasp I. (Regierungszeit 1524 – 1576) regierten länger. Nasser al-Din Shah war der erste persische Shah, der Europa offiziell besuchte. Dreimal (1873, 1878 und 1889) machte er sich auf die lange Reise. Seine Erlebnisse hielt er in einem Tagebuch fest, das in zahlreiche Sprachen (u.a. auch deutsch) übersetzt wurde. Bei seinem letzten Besuch wurde er von Königin Victoria zum Ritter des Hosenbandordens (Order of the Garter), dem höchsten Orden des Vereinigten Königreichs geschlagen. Nasser al-Din Shah war vom modernen Europa und vor allem seiner Technologie begeistert. In seiner Heimat führte er weitgehende Reformen durch, regierte sein Land dennoch mit autoritärer Härte. Er ließ die erste persische Zeitung herausgeben und versah das Land mit einem gut ausgebauten telegraphischen System. Auch das Straßennetz wurde unter seiner Regentschaft weit ausgebaut, es entstand das erste bis heute gut funktionierende Postwesen. Weniger erfolgreich war Nasser al-Din Shah außenpolitisch. Er verlor weite Gebiete des Kaukasus' und musste Herat an Afghanistan abtreten. Nasser al-Din Shah fiel am 1. Mai 1896 im Alter von 64 Jahren einem Attentat zum Opfer. Insgesamt 25 Frauen bescherten ihm 14 Söhne und eine nicht bekannte Zahl an Töchtern.

Iraj Mirza

Iraj Mirza (persisch: ایرج میرزا‎‎ , geb. Oktober 1874 in Tabriz, † 14. März 1926 in Teheran) war ein persischer Dichter, Kaligraf und Übersetzer. Er war ein Urenkel des zweiten Schahs der Qajaren Fath-Ali Shah Qajar (geb. 5. September 1772, † 23. Oktober 1834). Sein Vater Prinz Gholam-Hossein Mirza war Hofdichter beim späteren Herrscher Nasser al-Din Shah. Zunächst wurde der junge Iraj Mirza privat unterrichtet, später schickte ihn sein Vater auf die sehr renommierte Dar al-Fonun Universität in Teheran. Die Dar al-Fonun Universität (zu Deutsch „Haus der Wissenschaft“) wurde im Jahre 1851 von Nasser al-Din Shah gegründet und war die erste moderne Hochschule nach westlichem Vorbild im Iran. Auf Grund seines enormen Talents bekam er mit nur 14. Jahren den Titel Sadr os-So'ara (zu Deutsch „Haupt der Dichter“) verliehen. Mit nur 15 Jahren sprach Iraj Mirza fließend Arabisch, Aserbaidschanisch, Französisch und Persisch – später lernte er noch Russisch. Nach dem Tod seines Vater im Jahre 1893 übernahm er seine Position als Dichter am Hof des Kronprinzen. Iraj Mirza setzte sich in seinem Werk kritisch mit alten Traditionen auseinander und setzte sich massiv für Frauenrechte ein – für diese Zeit im Iran überaus ungewöhnlich. Als Übersetzer übertrug er zahlreiche bedeutsame Werke ins Persische, unter anderen Shakespeares Romeo und Julia. Ab 1905 war er eine treibende Kraft der konstitutionellen Revolution. Iraj Mirza starb am 14. März 1926 im Alter von 51 Jahren in Teheran.

Mohammad Taqi-Khan Pesyan

Mohammad Taqi-Khan Pesyan wurde im Jahre 1892 als Sohn einer Aristokratenfamilie geboren. Die Familie stammte ursprünglich aus dem Kaukasus und war zehn Jahre vor seiner Geburt in den Iran emigriert. Viele seiner Verwandten waren hochrangige Offiziere des Militärs. Zunächst studierte Pesyan in seiner Heimatstadt Tabriz Arabisch, Persisch und Naturwissenschaften, ab 1907 setzte er seine Studien an der Militärhochschule in Teheran fort. Nachdem er im Jahre 1916 – inzwischen mit dem Rang eines Majors – nach anfänglichen Erfolgen eine empfindliche Niederlage gegen die russischen Streitkräfte erleiden musste, floh er nach Berlin ins Exil. In Deutschland schloss er sich der deutschen Armee an und absolvierte bei der deutschen Luftwaffe eine Kampffliegerausbildung. Pesyan soll 25 feindliche Flieger abgeschossen haben und wurde dafür mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Im Jahre 1920 kehrte Pesyan in seine Heimat zurück, wo er seine militärische Laufbahn fortsetzte. Schon bald wurde er zunächst zum Oberst befördert. 1921 ernannte ihn Premierminister Seyyed Zia al Din Tabatabai zum Militärgouverneur der Provinz Chorasan im Nordosten des Irans. Dort rief er am 2. April 1921 die kurzlebige Autonome Regierung von Chorasan aus. Über die Abspaltung nicht sonderlich begeistert, entsandte die iranische Regierung ein Heer von rund 1000 Kosaken unter der Führung von Reza Khan (dem späteren Reza Shah Palavi), die die etwa 150 Getreuen Pesyans schlichtweg überrannten. Daraufhin wurde Mohammad Taqi-Khan Pesyan am 3. Oktober 1921 hingerichtet und die Autonome Regierung von Chorasan war Geschichte.

Neben seiner militärischen Kariere war Mohammad Taqi-Khan Pesyan auch als Übersetzer und Schriftsteller tätig. Seine beiden bekanntesten Werke „Das Leben eines jungen Patrioten“ (persisch: سرگذشت یک جوان وطن دوست) und Der Heilige Krieg von Bagdad bis Iran (persisch: جنگ مقدس از بغداد تا ایران) entstanden während seiner Zeit in Berlin.

Weitere bedeutende Persönlichkeiten aus Tabriz

Sattar Khan (persisch: ستارخان , geb. 20. Oktober 1866 in Tabriz, † 17. November 1914 in Teheran) war ein Freiheitskämpfer und Revolutionär, der sich vor allem während der konstitutionellen Revolution verdient gemacht hat. Er wird noch heute als Nationalheld verehrt.

Farhad Fakhreddini (persisch: فرهاد فخرالدینی, geb. 11. März 1938 in Tabriz) ist ein persischer Dirigent und Komponist. Im Jahre 1998 gründete er das Persische Nationalorchester (persisch: ارکستر ملی ایران), das im Oktober 2012 auf Grund finanzieller Schwierigkeiten aufgelöst werden musste.

Shahriar (geb. 1906 in Tabriz, † 18. September 1988 in Teheran; persisch: شهریار , eigentlich: Mohammad Hossein Behjat-Tabrizi, persisch: محمدحسین بهجت تبریزی) war ein persisch-aserbaidschanischer Dichter. Seine Werke, die er sowohl auf Persisch als auch auf Aserbaidschanisch verfasste, sind vor allem in der türkischen Welt sehr beliebt. Viele seiner Gedichte dienten Theaterstücken als Vorlage.

Gholam-Hossein Sa'edi (geb. 4. Januar 1936 in Tabriz, † 23. November 1985 in Paris, persisch: غلامحسین ساعدی) war einer der vielseitigsten und produktivsten Schriftsteller des Irans. Er veröffentlichte über 40 Bücher, darunter Dramen, Novellen und Kurzgeschichten. Darüber hinaus war er als Drehbuchautor tätig und verfasste zahlreiche sozialkritische Schriften sowie Reiseliteratur.

Samad Behrangi (geb. 24. Juni 1939 in Tabriz, † 31. August 1967, persisch صمد بهرنگی) war ein persischer Bürgerrechtler, Journalist und Schriftsteller. Behrangi verfasste zahlreiche sozialkritische Schriften aber auch eine Vielzahl an Kinderbüchern. Er war einer der schärfsten Kritiker des Schahs Mohammad Reza Pahlavi. Er starb am 31. August 1967 bei einem Badeunfall. Aus Teilen der Bevölkerung wurden Vorwürfe laut, das Regime stecke hinter seinem Tod. Diese Vermutungen konnten jedoch weder bestätigt noch entkräftet werden.

Hossein Shahabi (geb. 28. November 1968 in Tabriz, persisch: حسین شهابی) ist ein iranischer Drehbuchautor, Filmproduzent und Regisseur. Sein bekanntester Film „Der helle Tag“ (persisch: روز روشن) wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter bei den Filmfestspielen in Chicago.

Tahmineh Milani (geb. 1960 in Tabriz, persisch: تهمینه میلانی) ist ebenfalls eine persische Drehbuchautorin, Filmproduzentin und Regisseurin. Sie führte in insgesamt 12 Filmen Regie. Ihr Filmdebüt hatte sie im Jahre 1989 mit dem sozialkritischem Film „Scheidungskinder“ (بچه های طلاق). In ihren Filmen setzt sie sich vor allem mit der islamischen Revolution und der Situation der Frauen im Iran auseinander.

Karim Bagheri (geb. 24. Februar 1974 in Tabriz, persisch کريم باقری) ist ein ehemaliger iranischer Fußballnationalspieler und. Für die iranische Nationalmannschaft erzielte er insgesamt 47 Tore in 80 Begegnungen. 1997 wurde er mit 20 Treffern Zweiter in der Welttorjäger-Rangliste - nach Ronaldo der 22 Treffer erzielte. Im Jahre 1998 nahm er für den Iran an der Fußballweltmeisterschaft in Frankreich teil.

Das Klima in Tabriz

Die beste Reisezeit für Tabriz und seine Umgebung ist das Frühjahr oder der Herbst. Im Winter kann es in der Region klirrend kalt werden mit gelegentlichen Temperaturen unter 20°C. Im Sommer wiederum steigen die Temperaturen manchmal weit über 30°C. Die geringe Luftfeuchtigkeit macht jedoch auch diese Temperaturen erträglich.

- Klimatabelle -

Klimatabelle von Tabriz basierend auf den Messwerten von 1951 bis 2010

Monat
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Höchsttemperaturen (Rekorde)
16,0
(06.01.66)
19,0
(28.02.55)
25,6
(25.03.08)
31,2
(27.04.08)
33,8
(27.05.07)
39,0
(25.06.61)
42,0
(26.07.66)
41,0
(05.08.08)
38,0
(01.09.53)
30,6
(01.10.02)
23,4
(01.11.05)
21,8
(10.12.98)
Höchsttemperaturen (Durchschnitt)
2,3
4,9
10,6
17,0
22,8
28,8
32,8
32,7
28,3
20,7
12,0
5,2
Tagesdurchschnitt
- 1,7
0,5
5,6
11,5
16,7
22,1
26,0
25,9
21,4
14,5
7,1
1,2
Tiefsttemperaturen (Durchschnitt)
- 5,7
- 3,9
0,6
6,0
10,7
15,4
19,3
19,1
14,5
8,4
2,1
- 2,9
Tiefsttemperaturen (Rekorde)
-25,0
(20.01.64)
-22,0
(03.02.67)
-19,0
(03.03.85)
-12,0
(05.04.65)
0,6
(01.05.84)
4,0
(05.06.57)
7,0
(12.07.58)
10,0
(27.08.59)
4,0
(27.09.56)
- 4,0
(31.10.69)
-17,0
(30.11.53)
-19,0
(06.12.94)
Regen (in mm)
22,0
24,2
40,0
51,6
41,1
16,4
5,6
3,3
7,9
22,5
27,1
22,1
Regentage
4,9
5,3
7,7
8,8
7,3
3,2
1,2
0,6
1,3
4,3
4,9
5,0
Schneetage
9,3
7,9
4,9
1,0
0
0
0
0
0
0,2
1,8
6,2
Relative Luftfeuchtigkeit (Durchschnitt)
72
69
61
56
50
40
36
36
39
51
65
71
Monatlicher Sonnenschein (in Stunden)
125,9
146,3
179,7
200,8
268,7
334,3
352,5
337,7
301,4
231,6
180,3
136,8
Quelle: Chaharmahal and Bakhtiari Meteorological (اداره کل هواشناسي استان چهارمحال و بختياري), web: www.chbmet.ir

 

Universitäten in Tabriz

14 der renommierteste Universitäten des Irans befinden sich in Tabriz. Zu den bedeutendsten zählen:

  • Die Universität Tabriz (persisch: دانشگاه تبريز) wurde am 12. Juni 1946 von Ja'far Pishevari als Universität von Azarabadegan gegründet und ist nach der Universität Teheran die zweitälteste des Landes. Nach der islamischen Revolution im Jahre 1979 wurde sie in Universität Tabriz umbenannt. Heute sind etwa 10 000 Studenten immatrikuliert.
  • Die Tabriz University of Medical Sciences (TBZMED) (persisch: دانشگاه علوم پزشکی تبریز) war bis 1980 Teil der Universität Tabriz. Etwa 5000 Studenten sind immatrikuliert.
  • Die Sahand University of Technology (SUT) (persisch: دانشگاه صنعتی سهند‎‎) befindet sich etwa 20 Kilometer südwestlich von Tabriz im Vorort Sahand. Sie wurde 1989 gegründet und gehört zu den führenden Universitäten des Landes im Fachbereich Ingenieurwesen.
  • Die Azarbaijan Shahid Madani University (persisch: دانشگاه شهید مدنی آذربایجان) wurde im Jahre 1987 gegründet und nannte sich zunächst Tabriz University of Tarbiat Moallem, später Azarbaijan University of Tarbiat Moallem. Anfangs lag der Schwerpunkt auf Lehramtsstudiengängen. Seit 2012 trägt die Universität ihren heutigen Namen. Etwa 7500 Studenten sind immatrikuliert.
  • Die Tabriz Art University ist eine private Kunsthochschule im Nordwesten von Tabriz. Sie wurde 1997 gegründet.

 

Partnerstädte

Stadt Land Partnerstadt seit
Baku Aserbaidschan 1980
Erzurum Türkei 2011
Ganja Aserbaidschan 2015
Gaza Palästina 2013
Ho-Chi-Minh-Stadt Vietnam 2015
Istanbul Türkei 2010
Izmir Türkei 2010
Kazan Russland 2009
Khujand Tadschikistan 2011
Konya Türkei 2013
Mogilev Weißrussland 2012
Wuhan China 2010

 

Konsulate in Tabriz

Deutschland, Österreich und die Schweiz haben keine diplomatischen Vertretungen in Tabriz. Die nächste (und einzige) deutsche diplomatische Vertretung ist die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Teheran (Teheran Ferdowsi Ave., No 320-324, Teheran, Telefon +98 21 39 99 00 00, Postanschrift: Embassy of the Federal Republic of Germany, P.O. Box 11365-179, Teheran, Iran). Österreicher wenden sich an die Österreichische Botschaft in Teheran (Bahonarstr., Moghaddasi Str., Zamani Str., Mirvali, Nr. 6 und 8), Schweizer an die Schweizerische Botschaft (No. 2 Yasaman Street Sharifi Manesh Ave. Elahieh, Telefon +98 21 22 00 83 33).Heute sind nur noch die Konsulate des Aserbaidschans und der Türkei in Tabriz ansässig:

  • Konsulat der Republik Aserbaidschan
    Kh. Mokhaberat
    Vali Asr
    Telefon: +98 411 333 48 02
  • Generalkonsulat der Türkei
    Meydane Homafar
    Vali Asr
    Telefon: +98 411 33 00 95

Früher hatten auch die UDSSR und die USA Konsulate in Tabriz. Das US-amerikanische Konsulat schloss nach der islamischen Revolution im Jahre 1979, das der UDSSR nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991.

Nützliche Informationen für die Reise nach Tabriz

Geldwechsel

Ein Geldwechsel am Flughafen lohnt sich nicht.

Bank-e Melli
Am Meydan-e Shohada, etwa 200 Meter nördlich des Arg-e Alishah, im ersten Stock

Mahmud Abidan Exchange hat sehr gute Wechselkurse. Leider ist die Wechselstube nicht leicht zu finden und auch nicht ausgeschildert. Sie befindet sich im nordöstlichen Teil des Basars. Die Tourist Information am Haupteingang des Basars gibt eine genaue Wegbeschreibung und hält auch einen Plan bereit.

Information/Auskunft für Touristen

Tourist Information

Im ersten Stock gleich am Haupteingang zum Basar. Das überaus freundliche und hilfsbereite Personal stellt dem Reisenden kostenlos Stadtpläne zu Verfügung und erteilen Auskünfte auf Englisch, Französisch und Russisch (natürlich auch auf Persisch). Telefon: +98 411 52 72 502.

Visaverlängerung

Im Gebäude der Passbehörde ist auch die Fremdenpolizei untergebracht. Es befindet sich in der Nähe des Stadtzentrums in der Saeb Tabriz St (Telefon: +98 411 477 66 66). Auch hier ist das Personal überaus hilfsbereit.

Krankenhäuser in Tabriz (kleine Auswahl)

Pardis Clinic
Jumhuri-e Eslami St
Telefon: +98 411 525 23 07
(blaues Gebäude)

Bimaristan-e Asadabadi
Shahid Ranjbar St
Telefon: +98 411 807 263-6

Bimaristan-e Azar
Khayyam St
Telefon: +98 411 578 51-3

Weblinks

Offizielle Webseite der Stadt

http://www.tabriz.ir/ (persisch)
http://en.tabriz.ir/ (englisch)
http://fr.tabriz.ir/ (französisch)

Looklex Encyclopaedia

http://lexicorient.com/e.o/tabriz.htm (englisch)

Iran Chamber Society

http://www.iranchamber.com/cities/tabriz/tabriz.php (englisch)

Encyclopædia Iranica

http://www.iranicaonline.org/ (englisch)

 

Quellen und weiterführende Literatur

  • Ehsan Yarshater - Encyclopædia Iranica (Teheran 1982)
  • Michael Dumper, Bruce E. Stanley - Cities of the Middle East and North Africa: A Historical Encyclopedia (2007)
  • William Bayne Fisher; J. A. Boyle - The Cambridge History of Iran: The Land of Iran (1 ed.), Cambridge University Press (1968)
  • Tabriz University - Introduction to Tabriz city (2013)
  • UNESCO World Heritage Centre - Tabriz Historic Bazaar Complex (2012)
  • Hasan Javadi, Edward Granville Browne - Letters from Tabriz: The Russian Suppression of the Iranian Constitutional Movement (2012)
  • Mahmoud Rashad - DuMont Kunst-Reiseführer Iran (2011)
  • Peter Kerber - Islamische Republik und jahrtausendealte Kultur (2015)
  • Walter M. Weiss - Iran (2015)
  • Claudia Stodte, Beate Schermbeck - Iran (2015)
  • Michael Axworthy - Weltreich des Geistes. Von Zoroaster bis heute (2011)
  • Hans-Peter Raddatz - Persische Hochkultur und irrationale Macht (2006)
  • Hartmut Niemann, Ludwig Paul - Reise Know-How Iran, Reiseführer für individuelles Entdecken (2014)
  • Kurt-Michael Westermann, Walter M. Weiss - Reise durch Iran (2014)
  • Samieh Hezari - Trapped in Iran: A Mother's Desperate Journey to Freedom (2016)
  • Sarah Sinnreich, Behrouz Khosrozadeh - Iran - Republik der Täuschung, Tricks und Propaganda (2015)

 

1 auch wenn die UNESCO und viele offiziellen Stellen die Schreibweise „Täbris“ gewählt haben, haben wir uns nicht zu dieser Schreibweise durchringen können. Weder im Persischen, noch im Aserbaidschanischen oder im Türkischen gleicht die Aussprache einem deutschem 'ä'. Im Persischen wird das 'a' offen (etwa wie in „Wand“) gesprochen, im Türkischen oder Aserbaidschanischen ist es eher ein dumpfer Laut, der eher an des 'e' „in Blume“ erinnert. Unsere Schreibweise entspricht daher der englischen Transkription. Auf keinen Fall darf das 'z' am Schluss jedoch stimmlos gesprochen werden. Es handelt sich in beiden Sprachen um einen stimmhaften Laut, etwa wie das 's' in Vase.

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