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Ardabil - Stadt der Sufi und Mystiker

präsentiert von xago - Das Welterbe

 

Ardabil - geschichtlicher Überblick
Ardabil in vorislamischer Zeit
Ardabil im Mittelalter
Ardabil in der Zeit der Safawiden, Afsharen und Qajaren
Ardabil im 20. Jahrhundert
Wichtige Sehenswürdigkeiten in Ardabil
Das Heiligtum des Shaik Safi al-Din
Die Ruinen der Freitagsmoschee
Der Basar von Ardabil
Museen in Ardabil
Weitere Sehenswürdigkeiten in Ardabil (Auswahl)
Auswahl bedeutender Persönlichkeiten
Schah Ismail I.
Ahmad ibn Muhammad Ardabili
Weitere bedeutende Persönlichkeiten aus Ardabil
Das Klima in Ardabil
Universitäten in Ardabil
Partnerstädte
Nützliche Informationen für die Reise nach Ardabil
Geldwechsel
Tourist Information
Krankenhäuser
Weblinks
Quellen und weiterführende Literatur
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Stadtwappen von ArdabilArdabil (persisch: اردبیل , aserbaidschanisch: Ərdəbil) ist die östlichste größere Stadt im historischen Aserbaidschan und Hauptstadt der erst 1993 neugegründeten gleichnamigen Provinz. Die Stadt liegt auf etwa 1350 Metern Höhe auf einem von den Ausläufern des aserbaidschanischen Berglands umgebenen Steppenhochland am Fuße des mit stolzen 4811 Metern dritthöchsten Bergs des Irans, dem Sabalan (aserbaidschanisch: Savalan Dağı, persisch: سبلان). Die Besteigung des Sabalans ist vergleichsweise einfach, jedoch nur in den Sommermonaten empfehlenswert, da die übrigen Monate zu kalt sind und die meisten Wanderwege vereist bzw. mit Schnee bedeckt sind. Die Region um Ardabil steht im Ruf zwar ein kaltes, jedoch äußerst gesundes Klima zu haben. Zahlreiche, teils schwefelhaltige, natürliche Thermalquellen machen die Umgebung zu einer beliebten Kurregion. Schon im Mittelalter versprachen sich die meist wohlhabende Besucher von den Quellen Linderungen ihrer Leiden. Die Landwirtschaft kommt jedoch ohne künstliche Bewässerung nicht aus. Zahlreiche Mythen und Legenden entstanden im Laufe der Jahrhunderte um die Region - vor allem um den mächtigen Sabalan. Schenkt man ihnen Glauben, so soll der Religionsstifter Zarathustra hier das heilige Buch Avesta verfasst haben. Ob sich der Name „Ardabil“ vielleicht sogar von „Avesta“ ableiten lässt, ist historisch nicht gesichert. Noch heute ist Ardabil für seine feinen und kostbaren Teppiche und seine Seidenproduktion weit über die Grenzen des Landes hinaus berühmt. Der architektonische Gebäudekomplex um das Grabheiligtum des Safi ad-Din (offizielle Bezeichnung der UNESCO: Das Ensemble Scheich Safi al-din Khānegāh in Ardabil, persisch: آرامگاه شیخ صفی‌الدین اردبیلی) wird seit dem Jahre 2010 von der UNESCO auf der Liste des Weltkulturerbes geführt.

Ardabil - geschichtlicher Überblick

Ardabil in vorislamischer Zeit

Über die vorislamische Zeit Ardabils sind leider nur wenige gesicherte Erkenntnisse vorhanden. Die Geschichte der Stadt reicht offenbar weit in die vorchristliche Zeit zurück. Schon in sumerischen Schriften wird eine Siedlung erwähnt, bei der es sich vermutlich um einen Vorläufer der heutigen Stadt Ardabil handelt. Zarathustra soll laut Avesta an den Ufern des Aras geboren worden sein. Manche Historiker wollen hier schon einen Bezug zu Ardabil sehen. Zweifel an dieser Theorie sind jedoch allein durch die Tatsache gerechtfertigt, dass der Aras rund 150 Kilometer vom heutigen Ardabil entfernt liegt. Möglicherweise ist der heutige Name der Stadt auch von dem avesitischen Wort „Artavil“ abgeleitet und bedeutet „sakraler/heiliger Platzt“, was somit mindestens auf eine Existenz um 1000 v. Chr. schließen ließe. Gestützt wird diese Theorie von Funden aus Ardabil und seiner Umgebung. Zahlreiche Äxte, Dolche, Pfeile und Schwerter aber auch Halsketten und Schmuck können eindeutig dieser Epoche zugeordnet werden. Sehr wahrscheinlich war Ardabil schon zu Zeiten der Achämeniden (559 – 330 v. Chr.) ein wichtiges Handelszentrum. Einer anderen Theorie zufolge wurde Ardabil erst im fünften nachchristlichen Jahrhundert vom sassanidischen Herrscher Peroz I. („Der Siegreiche“, persisch: پیروز , Regierte von 459 bis zu seinem Tod im Jahre 484) unter dem Namen Firuzgerd gegründet und erst nach der islamischen Eroberung zu Beginn des siebten Jahrhunderts in Ardabil umbenannt. Sicher ist jedoch, dass Peroz I. Ardabil umfangreich ausgebaut und mit einer Befestigungsanlage versehen hat. Er machte Ardabil auch zur steten Residenz des Gouverneurs von Aserbaidschan.

Ardabil im Mittelalter

Ab dem 6. Jahrhundert entwickelte sich Ardabil mehr und mehr zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Metropole. Während der islamischen Eroberung ab dem Jahre 633 war Ardabil die größte Stadt im Nordwesten des Irans, größer und bedeutsamer als beispielsweise Tabriz im Westen oder Derbent im Norden am Kaspischen Meer. Dennoch war Ardabil in dieser Zeit häufiges Ziel von Angriffen. Mal waren es kleinere aufständische Stämme aus dem naheliegenden Kaukasus, die die Stadt angriffen, mal waren es russische Armeen, die das Gebirge überquerten. Ardabil konnte diese Überfälle jedoch meistens ziemlich gut abwehren, musste sich jedoch im Jahre 639 einer Übermacht an arabischen Eroberern geschlagen geben. Die kurzlebige Dynastie der Sajiden (889 – 929) machte Ardabil zeitweise sogar zu ihrer Hauptstadt (ab 901 nach Maragha und Barda). Zu dieser Zeit wurden in Ardabil die ersten islamischen Münzen geprägt. Im Jahre 929 übernahmen die Sallariden (919 – 1062, persisch: سالاریان) unter Muhammad ibn Musafir (persisch: محمد بن مسافر) die Geschicke der Stadt und bescherten Ardabil eine unruhige Zeit. Im 10. Jahrhundert entwickelte sich Ardabil mehr und mehr zu einer vornehmen und wohlhabenden Stadt, es entstanden einige kulturelle und schulischen Eirichtungen. Nichtsdestotrotz konnte das rund 200 Kilometer südlich gelegene Tabriz Ardabil mehr und mehr an Bedeutung abringen und wurde selbst schon bald kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region. Der arabische Geograph und Schriftsteller Ibn Hawqal (persisch: بن حوقل) beschreibt sogar, wie Ibn Marzuban (persisch: ابن مرزبان‎‎), ein Offizier im Dienste der Buyiden (934 – 1062), die Einwohner Ardabils, die er für arrogant und hochnäsig hielt, zwang, die Mauern der Befestigungsanlage einzureißen und die Trümmer mit ihren kostbaren Gewändern beiseite zu schaffen.

Trotzdem konnte sich Ardabil als wichtiges Handelszentrum behaupten. Eine massive Stadtmauer mit insgesamt vier Stadttoren umgab die Stadt, die einen wichtigen Knotenpunkt entlang wichtiger Handelsrouten darstellte. Viele Künstler und Handwerker ließen sich in Ardabil nieder. Nebst kunstvoller Schnitzereien war die Stadt in dieser Zeit für ihre kostbaren Brokate aus Seide, edle Tücher und Teppiche bekannt. Das Färben mit dem natürlichem Farbstoff Karmin, der aus weiblichen Schildläusen gewonnen wird, beherrschten die Handwerker in höchster Vollendung und machte sie weit über die Grenzen der Region hinaus berühmt. Ardabil genoss rund 200 Jahre des Friedens und des Wohlstands.

Der Frieden fand im Jahre 1209 ein Ende, als Ardabil von einfallenden Georgiern geplündert wurde. Rund 12 000 Zivilisten sollen bei dem Massaker getötet worden sein. Kaum hatte Ardabil diesen Schock verdaut, so wurde die Stadt im Jahre 1220 von den Mongolen eingenommen, nachdem ihre tapferen Bewohner sie zweimal erfolgreich verteidigen konnten. Wie fast überall, wüteten die Mongolen auf grauenhafte Weise, töteten unzählige Einwohner oder verschleppten sie und machten weite Teile der Stadt dem Erdboden gleich. So wie sie kamen, so gingen sie aber auch wieder und Ardabil konnte sich sehr schnell wieder von dem mongolischen Schlag erholen. Wiederum versank der Ort in einen Dornröschenschlaf und genoss eine friedliche Zeit. Die Historiker erwähnen lediglich ein paar Ratten, die den Bürgern zu schaffen machten und die Nachfrage nach Katzen steigen ließ. Im Jahre 1252 kam der Geistliche Safi ad-Din in Ardabil zur Welt – ein Vorfahre und namensgebender Stammvater der Dynastie der Safawiden (1501 – 1722). Er gründete hier seinen berühmten (zunächst sunnitischen) Sufi-Orden.

Ardabil in der Zeit der Safawiden, Afsharen und Qajaren

Unter den Safawiden (1501 – 1722) genoss Ardabil eine weitere Zeit des Wohlstands und zunächst auch des Friedens. Ihrem ersten Herrscher Ismail I. (persisch: شاه اسماعیل, geb. 17. Juli 1487 in Ardabil, † 23. Mai 1524 bei Tabriz), ein Nachkomme Safi ad-Dins, gelang es erstmals nach Jahrhunderten, das Reich zu vereinigen. Er machte die schiitische Form des Islams zur Staatsreligion. Der Sufi-Orden wurde zum Ausgangspunkt der Shia im Iran, nicht zuletzt durch die großzügige Förderung der Safawiden, die der Stadt stets eine besondere Bedeutung zuwiesen. Sie ließen für den Ordensgründer Safi ad-Din und seine Familie eine mächtige Grabanlage errichten, die heute von der UNESCO auf der Liste des Weltkulturerbes geführt wird. Der deutsche Gelehrte, Schriftsteller und Orientreisende Adam Olearius (geb. 24. September 1599, † 22. Februar 1671) bezeichnete Ardabil als „Mittelpunkt von Handel und Gewerbe von internationalem Zuschnitt“.

Während der gesamten Zeit der Safawiden (wie auch später im Jahre 1915) hatte Ardabil unter den nicht enden wollenden Angriffen der Osmanen zu leiden, weshalb Schah Tahmasp I. im Jahre 1548 seinen Regierungssitz sicherheitshalber von Tabriz in das etwa 480 Kilometer südöstlich gelegene Qazvin (persisch: قزوين) verlegte. Als im Jahre 1722 der letzte iranische Herrscher der Safawiden Schah Sultan Hosein (persisch: شاه سلطان حسین ,geb. 1668; † 1726) durch die einfallenden Afghanen zur Abdankung gezwungen wurde, übernahm sein Sohn Tahmasp II. (persisch: تهماسب , geb. 1704; † 1740) kein leichtes Erbe und hatte gleichzeitig an drei Fronten zu kämpfen. Im Osten versuchte er die Afghanen zurückzudrängen, im Nordwesten musste er die russischen Truppen zurückhalten und im Westen trieben die Osmanen ihr Unwesen. Gemeinsam mit dem Mamelucken Nadir Khan Afshar gelang es ihm jedoch die Ostfront gegen die Afghanen zu sichern. Der inzwischen zum General avancierten Nadir Khan konnte auch mit den Russen einen Friedensvertrag aushandeln und die Osmanen zurückschlagen. Offensichtlich war dies dem jungen und unerfahrenen Tahmasp II. etwas zu friedlich, was ihm im Jahre 1732 dazu veranlasste, nun seinerseits die Osmanen anzugreifen. Wie nicht anders zu erwarten, musste er eine empfindliche Niederlage verbuchen. General Nadir Khan nutzte die Gunst der Stunde und setzte den Herrscher kurzerhand ab. An seine Stelle setzte er Tahmasps erst acht Monate alten Sohn Abbas III. an die Macht, was ihn selbst faktisch zum alleinigen Herrscher machte. Am 8. März 1732 ließ sich Nadir Khan selbst zum ersten Schah der Afsharen (Nadir Shah Afshar, persisch: نادر شاه افشار) krönen und begründete somit die kurzlebige Dynastie der Afsharen (1736 - 1795).

Im Jahre 1796 kamen mit Aga Mohammed Khan (geb. 1742, † 17. Juni 1797, aserbaidschanisch: Ağa Məhəmməd Şah Qacar, persisch آقا محمد خان) die Qajaren an die Macht. Der überaus kluge und berechnende neue Herrscher verlegte die Hauptstadt des persischen Reiches von Sari (persisch: ساری) nach Teheran. Aga Mohammed Khan konnte das Reich festigen und sowohl innenpolitisch als auch Außenpolitisch einige Erfolge verbuchen. Er galt jedoch auch als extrem brutal und erbarmungslos. Nach der Einnahme der etwa 1050 Kilometer südöstlich von Teheran gelegenen Stadt Kerman (persisch: کرمان) wütete er vollkommen irre in der Stadt und richtete ein Massaker unter der Bevölkerung an, das sich bis heute in die Gedächtnissen der Menschen eingebrannt hat. Über die Anzahl der Opfer seines Racheaktes – Kerman hatte Lotf Ali Khan (persisch: لطفعلى خان زند), dem letzten Herrscher der Zand Dynastie (1750 – 1794), Zuflucht gewährt - gehen die Angaben auseinander. Selbst sehr vorsichtige Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass er mindestens 5000 Männer blenden und über 1000 enthauptete ließ. Etwa 20 000 Frauen und Kinder soll er in die Sklaverei verbannt haben. Nicht weniger zimperlich ging er in Georgiens Hauptstadt Tiflis vor, die er nach der gewonnen „Schlacht von Krtsanisi“ einnahm. Hier verschleppte er etwa 22 000 Einwohner in die Sklaverei. Auch eine von der russischen Kaiserin Katharina II. (genannt „die Große“) angelegte Invasion, an der mehr als 60 000 Soldaten der Kavallerie und der Infanterie teilnahmen, konnte er erfolgreich abwehren. Von all diesen Ereignissen konnte Ardabil (ebenso wie Tabriz) profitieren, da die Handelsrouten gesichert waren und man keine Angst vor feindlichen Übergriffen haben musste. Die Stadt erlebte erneut eine Zeit des Friedens und des Wohlstands. An den kriegerischen Ereignissen waren die Bewohner höchstens mittelbar beteiligt. Zu beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Befestigung der Stadt zum Schutz gegen Russen und Osmanen erweitert und gründlich saniert. Auch wurde die Stadt mit einem großzügig angelegtem Schutzwall versehen. Im Jahre 1813 besuchte der britische Diplomat und Schriftsteller James Justinian Morier (geb. 1780 in Smyrna, †1849 in Brighton) Ardabil und schätzte die Einwohnerzahl auf 4000.

Von 1826 bis 1828 hielten russische Truppen Ardabil besetzt. Nach dem „Frieden von Turkmantschai“ (22. Februar 1828) zogen die Russen wieder ab, mit ihnen die wertvolle Bibliothek Safi ad-Dins. Der russische General Paskiewitch entwendete die Bibliothek gemeinsam mit ein paar weiteren Kostbarkeiten unter dem Vorwand, sie nur vorübergehende in Sicherheit bringen zu wollen. Wer die kostbaren Bücher heute bewundern will, muss einen Abstecher nach St. Petersburg machen, die Stadt ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Nach dem Abzug der Russen war es für Ardabil an der Zeit, seine Wunden zu lecken. Die Russen, zuvor auch die Osmanen, einige Erdbeben und der Zahn der Zeit hatten ihre Spuren – vor allem an den prachtvollen Baudenkmälern – hinterlassen. Allen voran Nasser al-Din Shah (persisch: ناصرالدین شاه قاجار , geb. 16. Juli 1831 in Tabriz, † 1. Mai 1896 in Teheran), der letzte absolutistische Herrscher des Irans, förderte die Sanierung der Stadt und ihrer kulturellen Reichtümer großzügig.

Ardabil im 20. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert verhalf Ardabil zu neuem Aufschwung. Nachdem es zahlreiche Erdbeben, die Überfälle der Osmanen und der Russen überstanden hatte, konnte sich Ardabil endlich wieder als wichtiges Handelszentrum etablieren. Gerade einmal etwa 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt führte kein Handel an der Stadt vorbei. Zahlreiche Händler und Handwerker siedelten sich in Ardabil an, auch viele Ausländer ließen sich nun in der kleinen Metropole nieder. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte die Stadt bereits mehr als 20 000 Einwohner. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges und der damit verbundenen Schließung der russisch-iranischen Grenze verlor Ardabil an Bedeutung als wirtschaftliches Zentrum, dafür rückte jedoch das Handwerk an erste Stelle. Vor allem Ardabils kunstvoll und aufwändig gewebten Teppiche sicherten der Stadt einen gewissen Wohlstand. Noch in den 1960er Jahren war Ardabil die einzige Stadt in der Region, in der Handwerker Händlern zahlenmäßig überlegen waren. Auch heute noch zählt das Handwerk zu den wichtigsten wirtschaftlichen Faktoren der Stadt, obgleich sich auch eine überschaubare Industrie angesiedelt hat. Jährlich besuchen auch zwischen 120 000 und 150 000 Pilger die Stadt, die ebenfalls vielen Bürgern ein gesichertes Einkommen bescheren. Mittlerweile zählt Ardabil knapp 500 000 Einwohner.

Wichtige Sehenswürdigkeiten in Ardabil

Obwohl Ardabil im Laufe seiner Geschichte mehrfach internationale Bedeutung erlangen konnte, hält sich, was Monumente und andere Bauwerke anbetrifft, der kulturelle Reichtum der Stadt in überschaubaren Grenzen. Zwar lohnt allein das Heiligtum des Shaik Safi al-Din einen Besuch der Stadt, dennoch kann Ardabil mit Städten wie Shiraz oder Isfahan nicht mithalten. Viele der einst großartigen Bauwerke fielen Kriegen, Erdbeben oder auch Hochwassern zum Opfer.

Das Heiligtum des Shaik Safi al-Din

(offizielle Bezeichnung der UNESCO: Ensemble Scheich Safi al-din Khānegāh in Ardabil)

Begründung der Aufnahme (2010):

  • Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft
  • Zeugnis kulturellen Austauschs
  • Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung

Das Heiligtum des Shaik Safi al-DinDas Heiligtum des Shaik Safi al-Din ist ohne Zweifel die wichtigste und auch interessanteste Sehenswürdigkeit in Ardabil. Die Ursprünge der Anlage gehen auf den Shaik Safi al-Din (persisch:شیخ صفی الدین , geb. 1252 ungesicherten Quellen zufolge in Ardabil, † 1334 ebenda) selbst zurück, der hier das erste Sufi-Ordenskloster Aserbaidschans gründete. Ursprünglich beherbergte der Komplex verschiedene Unterrichtsräume und einen Wohntrakt, in dem zunächst al-Din mit seiner Familie, später seine Nachfahren wohnten. Eine erste Grabanlage ließ al-Din selbst für seinen im Jahre 1324 früh verstorbenen Sohn Muhyi ad-Din errichten. Diese ließ als erster sein Nachfolger Sadr al-Din Musa (persisch: صدر الدين , geb. 1305, † 1391) umfangreich erweitern. Unter anderen entstanden in dieser Zeit die mächtige Kuppel und die ersten kunstvollen Verzierungen.

Über das Leben Safi al-Dins liegt vieles im Dunkeln. Das meiste, das wir über ihn wissen, stammt aus den sehr umfangreichen, jedoch wenig zuverlässigen Darstellungen seines Nachfahren Safvat as-safa (persisch: صفوة الصفا). Vermutlich ging er bei Scheich Zahed Gilani (persisch: شیخ زاهد گیلانی, geb. 1216, † 1301) in Lehijan (persisch: لاهیجان) am Kaspischen Meer in die Lehre, bevor es ihn nach Ardabil verschlug. Zunächst war das Kloster sunnitisch ausgelegt. Wann die Ausrichtung sich zum Schiitischen wandelte, ist historisch nicht ganz eindeutig gesichert. Einiges deutet darauf hin, dass die Anpassung unter al-Dins Enkel Shaik Junaid (persisch: شیخ جنید ) erfolgte, mit dem Ziel, mehr Anhänger unter den Schiiten zu gewinnen. Erst Schah Ismail I. (persisch: شاه اسماعیل, geb. 17. Juli 1487 in Ardabil, † 23. Mai 1524 bei Tabriz), ein Nachfahre al-Dins und erster Herrscher der Dynastie der Safawiden (1501-1722), startete ausgehend von Ardabil seinen Eroberungsfeldzug und machte die Schia zur Staatsreligion. Ab dieser Zeit wurde das Kloster zur Grabanlage umfunktioniert. Auch Schah Ismail wurde hier, wie die meisten seiner Nachkommen, bestattet. Der Ort wurde zu einer vielbesuchten Pilgerstätte und ist es heute noch. Alljährlich pilgerten die Herrscher der Safawiden zu dem Grabmal, das sie großzügig mit finanziellen Mitteln förderten und stets erweiterten und verschönerten.

Zum eigentlichen Grabheiligtum gehört eine großzügige Anlage, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder erweitert wurde. Zunächst gelangt man über den Haupteingag an der nördlichen Seite des Gebäudekomplexes durch einen zweistöckigen Torbau aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts in einen „Vor-Vorhof“. Dieser sorgsam bepflanzte, parkähnlich angelegte Gartenhof bot in früherer Zeit Pilgern einfache Unterkünfte. Von diesem Hof gelangt man durch ein kunstvoll mit safawidischen Fließenmosaiken verziertes Tor zum eigentlichen Vorhof. Der Vorhof diente in der Vergangenheit den Pilgern als Versammlungsort. Durch ein Portal in der südwestlichen Wand (rechts) des Vorhofs gelangt man zur mittlerweile zu Ruinen zerfallenen Klosteranlage. Durchquert man den Vorhof, gelangt man zum Haupthof, der unter Schah Abbas I. (persisch: شاه عباس , geb. 27. Januar 1571, †16. Januar 1629) erbaut wurde. Die gesamte Fläche der Fassaden ist im oberen Bereich, mit aufwändigen und sehr kleinteiligen Mosaiken verziert. Am nordöstlichen Ende des Hofes gelangt man zu einem achteckigen Raum, dessen Kuppel mittlerweile eingefallen ist. Ursprünglich war er ein Gebetsraum in dem die Derwische auch ihre rituellen Zeremonien abhierlten. Der Eingang ist nach Mekka ausgerichtet und diente den Gläubigen als Mihrab und als Gebetsnische für den Vorbeter. Der einst prachtvolle Raum wurde deshalb auch oft als Masdjid-e Djannat Sara ( zu Deutsch „Paradismoschee“) bezeichnet.

An der südöstlichen Seite des Haupthofs liegt der Ghandil Khaneh ( zu Deutsch „Lampen-“ oder „Laternensaal“). Die zweistöckige Halle diente den Pilgern früher als Andachtshalle und war über und über mit Lampen versehen, die ihr ihren Namen gaben. An den Längswänden befinden sich zahlreiche von Kuppeln überwölbte Nischen. Von der Haupthalle durch ein kunstvoll verziertes Gitter getrennt befindet sich am südöstlichen Ende ein kleiner halbrunder und überkuppelter Anbau, der bei den rituellen Andachten dem Schah vorbehalten war. Früher lag hier im Lampensaal auch der berühmte Ardabil-Teppich (auch Zwillingsteppich genannt). Der Ardabil-Teppich (persisch: قالی اردبیل ) wurde im Jahre 1539 fertiggestellt und ist somit der älteste datierte Teppich der Welt. Gemeinsam mit einem etwas kleineren Teppich, der kurz darauf fertiggestellt wurde (daher auch die gelegentliche Bezeichnung „Zwillingsteppich“), wurde er von Schah Tahmasp I. in Auftrag gegeben. Im Jahre 1890 wurde das Prachtstück an das Victoria and Albert Museum in London verkauft. Inzwischen konnte eine sehr aufwändige Kopie des Teppichs angefertigt werden, die heute den Boden des Chini Khane (zu Deutsch „das chinesische Haus“), einem Anbau im östlichen Teil der Anlage, ziert.

Zentraler Punkt der Anlage ist der Grabturm Shaikh Safi al Djins mit den Gräbern des Ordensgründers und einigen seiner nächsten Angehörigen. Die Gräber der Familienangehörigen liegen unter kleinen Türmen, die jeweils mit Kuppeln bedeckt sind. Über der Grabstätte al-Dins wurde der eindrucksvolle Grabturm gemauert. Während der Bauarbeiten wurde der Leichnam al-Dins zu keinem Zeitpunkt bewegt, sondern um ihn herum gebaut. Der runde Turm aus gebrannten Ziegeln ist mit türkisfarbenen Kacheln verziert, die so kunstvolle angelegt wurden, dass sie in all ihren Ausrichtungen den Namen Allahs ergeben. Daher wird der Turm (genaugenommen seine Kuppel) auch häufig Gonbad-e Allah-Allah ( zu Deutsch „Allah-Allah-Kuppel“) genannt. Etwas zurückgesetzt und auch etwas niedriger als der Hauptturm liegt das Mausoleum Ismails. Ein wahres Meisterwerk stellt sein Sarkophag dar, der über und über mit Intarsien aus Elfenbein, Gold, Holz und Lapislazuli überzogen ist. Eher schlicht gehalten, ist das Mausoleum direkt an der Seite des Hauptturms. Es wurde ebenfalls mit einer Kuppel versehen und beherbergt mehrere Gräber von Familienangehörigen, darunter die letzten Ruhestätten der Tochter und der Ehefrau Safi al-Dins.

In Anbetracht der prunkvollen Bauten des Ensembles, findet der im Osten gelegene Chini Khane viel zu wenig Beachtung. Der oktogonale überkuppelte Raum diente zur Zeit der Safawiden als Festsaal und Ausstellungsraum. Ursprünglich war hier eine wertvolle Bibliothek und eine chinesische Porzellansammlung untergebracht, die dem Bau seinen Namen gab. Die Bibliothek wurde im Jahre 1828 von den Russen nach St. Petersburg gebracht, wo sie noch heute im Museum zu bestaunen ist. Viele der wertvollen Porzellanstücke wurden ebenfalls 1828 nach Russland und einige 1935 nach Teheran gebracht, sodass von den ursprünglich 1162 Stücken heute nur noch 805 in Ardabil zu bewundern sind. Dennoch ist die Ausstellung (gemeinsam mit der im Topkapı Sarayı in Istanbul) heute eine der beiden bedeutendsten Sammlungen klassischem chinesischen Porzellans außerhalb Chinas. Sie wurde hauptsächlich von Schah Abbas zusammengetragen und ab 1611 auch der Öffentlichkeit präsentiert. Der wertvolle Bestand wurde im Jahre 1956 von Dr. John Alexander Pope vom Smithsonian Institution in Washington gründlich inspiziert und in seinem Buch Chinese Porcelains from the Ardebil Shrine katalogisiert.

Besichtigungszeiten:
Winter: täglich außer montags von 8:30 bis 17:00 Uhr
Sommer: täglich außer montags von 8:30 bis 19:00 Uhr
Eintritt: 150 000 Rial
Telefon: +98 451 22 66 5
(Stand: August 2016)

Die Ruinen der Freitagsmoschee in Ardabil

Von der einst prächtigsten Moschee der Stadt, der Freitagsmoschee (persisch: جمعه‌مسجد ) ist heute nicht mehr viel übrig. Die Überreste der Moschee liegen auf einem kleinen Hügel, von dem sich Archäologen weitere Aufschlüsse über die frühe Geschichte Ardabils erhoffen. Die Moschee steht inmitten eines sehr alten Friedhofs. Die Anlage ist zweigeteilt. Auf der einen Seite liegen die Ruinen der vermutlich seldschukischen Moschee, etwas abseits davon das Minarett. Es wird von vielen Seiten vermutet, dass schon in früher seldschukischer Zeit hier eine Moschee stand, die jedoch von einfallenden Mongolen zerstört wurde. Die Vorhalle der Moschee wurde erst relativ spät (neu)überdacht und diente den Gläubigen bis in die 1970er Jahre als Gebetsort.

Der Basar von Ardabil

Der Basar von Ardabil ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Der überwiegend gedeckte Basar wurde in der Ära der Safawiden errichtet und später von den Zand gründlich erneuert und erweitert. Die Gewinne aus der Vermietung der Ladenflächen und aus einigen öffentlichen Einrichtungen, wie Badeanstalten dienen hauptsächlich der Erhaltung des Ensembles Shaik Safi al-Din. Früher waren einige Karawansereien um den Basar herum angelegt. Leider wird der Basar heute durch die nicht sonderlich reizvolle Imam Khomeini Alle zweigeteilt.

Museen in Ardabil

Das Archäologische Museum Negarkhaneh Khatai (persich: Muze ye Bastanshenasi Negarkhaneh Khata i) wurde in Gedenken an Schah Ismail I. errichtet. Ihm zu Ehren hat man im Innenhof ein Denkmal errichtet. Auf rund 1700 Quadratmetern werden hier dem Besucher Artefakte aus Ardabil und dessen Umgebung aus verschiedenen islamischen und vorislamischen Epochen gezeigt.

Öffnungszeiten:
Winter: täglich außer montags von 8:30 bis 17:00 Uhr
Sommer: täglich außer montags von 8:30 bis 19:00 Uhr
Eintritt: 150 000 Rial
Telefon: +98 451 444 58 85
(Stand: August 2016)

Das Ethnologische Museum von Ardabil (persisch: Muze ye Mordaomshenasi Ardebil) ist im historischen Badehaus Zahir-al-Islam (persisch: Hamam e Zahir-al-Islam) aus dem 14. Jahrhundert untergebracht. Gezeigt werden nebst zahlreichen Gegenständen des Alltags, wie Keramik und Werkzeugen auch nachgestellte Szenen aus dem Leben der Vorfahren, bis hin zur Lebensweise der Nomaden der Region.

Öffnungszeiten:
Winter: täglich außer montags von 8:30 bis 17:00 Uhr
Sommer: täglich außer montags von 8:30 bis 19:00 Uhr
Eintritt: 150 000 Rial
Telefon: +98 451 444 58 85
(Stand: August 2016)

Weitere Sehenswürdigkeiten in Ardabil (Auswahl)

Einige historische Brücken, die meisten aus der Zeit der Safawiden, führen über den Balıqlı Chayı (zu Deutsch etwa “der fischreiche Fluss”, insgesamt 14 (!) Schreibweisen konnten wir in der Literatur finden), dem Fluß, an dessen Ufern sich Ardabil erstreckt. Die bekannteste ist die Pol-e Jajim (Aserbaidschanisch: Kara Su Körpüsü). Ihre sieben Bögen haben ihr auch den Spitznamen Yedi Göz (zu Deutsch “sieben Augen”) gegeben. Die Pol-Ebrahimabad (Aserbaidschanisch: Ebrahimabad Körpüsü) verfügt nur über drei Bögen ist jedoch etwas kunsvoller in ihrer Bauweise.

Die Marienkirche beindruckt vor allem durch ihr prachtvolles Eingangsportal. Sie wurde im Jahre 1876 feriggestellt.

Etwa drei Kilometer außerhalb der Stadt befindet sich in dem kleinen Vorort Karkaragh (persich: کرکرق ) ein Grabbau, der dem Vater des Ordensgründers Sheikh Jebra'il gewidmet ist. Das Hauptgebeude des Schreins wurde im Jahre 1366 erichtet und von den Dorfbewohnern im Laufe der Jahrhunderte stets gepflegt und renoviert. Der Raum ist etwa 4 Meter breit und 6 Meter lang, sein Haupteingag ist nach Mekka ausgerichtet.

 

Auswahl bedeutender Persönlichkeiten aus Ardabil

Schah Ismail I.

Schah Ismail I. (geb. 14. Juli 1487, in Ardabil, † 13. Mai 1524 in Tabriz, Regierungszeit: 1501 – 1524, persich: شاه اسماعیل یکم ) war der erste Herrscher der Safawiden (1501 – 1722) und seit der Dynastie der Sassaniden (224 – 642) der erste, der das Reich wieder zu einer Großmacht vereinigen konnte. Auch Ismail I., dessen Vorfahre der Ordensgründer Safi ad-Din war, ging aus einem religiösen Umfeld hervor. Ausgehend von Ardabil, machte er die Shia im ganzen Land zur Staatsreligion. Am Höhepunkt seiner Macht war Ismail I. im Jahre 1510 angelangt. Zu dieser Zeit hatte sein Reich eine Ausdehnung von Afghanistan und Turkmenistan im Osten bis an die Grenzen Anatoliens im Westen und an die Ufer des Euphrats im Irak.

Im Jahre 1501 konnte Ismail Tabriz und weite Teile des Aserbaidschans erobern. Noch im selben Jahr ließ der sich zum Schah krönen und gab sich nach altpersischer Tradition den Titel „Shahinsha“ (zu Deutsch: König der Könige). Sein erster größerer Feldzug führte ihn in den Irak, dessen Norden er mühelos erobern konnte. 1508 zog er weiter und eroberte das persische Kernland, die Fars, ließ auf seinem Weg Isfahan nicht aus und eroberte 1510 die nordöstliche Region Chorasan einschließlich Herat (heute Afghanistan).

In der Zwischenzeit zeigten sich die sunnitischen Osmanen unter Selim I. (geb. 10. Oktober 1470 in Amasya, † 21. September 1520 bei Çorlu) nicht sonderlich erfreut über die Ereignisse und sahen ihre Vormachtstellung im Osten der heutigen Türkei und in Teilen des Iraks bedroht. Trotz tapferer Gegenwehr überrannte das osmanische Heer, das zahlenmäßig und kampftechnisch den Persern haushoch überlegen war, die Truppen des bis dahin ungeschlagenen Schahs. Ismail I. floh mit seinen Kriegern ostwärts. Zwar gab Selim I. den Befehl, sie zu verfolgen, die geschwächten Osmanen meuterten jedoch schon sehr bald und zwangen den Sultan zur Rückkehr in die Türkei. Somit waren zu Lebzeiten Ismails die Machtverhältnisse geklärt und die Perser hatten bis zum Tod ihres Schahs im Jahre 1524 von den Osmanen (weitgehend) ihre Ruhe.

Nach seinem Tod wurde Ismail I. im berühmten Mausoleum seines Vorfahren Safi ad-Din beigesetzt. Seine Nachfolger Tahmasp I. (persisch: شاه طهماسب یکم , Regierungszeit: 1524 - 1576) und Ismail II. (persisch: شاه اسماعیل دوم , Regierungszeit: 1576 - 1577) traten kein leichtes Erbe an. Die Osmanen nutzten ihre Unerfahrenheit aus und attackierten immer wieder den Osten des Reichs. Schließlich konnten sie 1534 den gesamten Irak erobern und somit den Persern den Zugang zu ihren höchsten Heiligtümern, den Gräbern der Imame, versperren.

Schenkt man den (historisch nicht belegten) Ausführungen des portugiesischen Kuriers und Forschungsreisenden António Tenreiro glauben, so soll Ismail I. auch überaus grausam regiert haben. Nach der Eroberung Isfahans soll er dort an der Bevölkerung ein Massaker angerichtet haben, dem 5000 Bürger zum Opfer fielen. Im Gegensatz dazu wird er in einigen Quellen als liebevoller und fürsorglicher Vater von vier Söhnen und fünf Töchtern beschrieben.

Ahmad ibn Muhammad Ardabili

Ahmad ibn Muhammad Ardabili (persisch: مقدس اردبیلی, geb. um 1500 in Ardabil, † 1585 in Najaf, heute Irak) war ein schiitischer Großajatollah (Mardscha'-e Taghlid, persisch: مرجع تقليد ) und Rechtsgelehrter. Schon ziemlich früh zog der junge Ahmad nach Najaf, wo er seine in Ardabil begonnenen Studien fortsetzte. Später ging er nach Shiraz und studierte Philosophie bei Jamal al-Din Mahmud, einem Schüler Jalaladdin Davanis, der wiederum einer der führenden und bedeutendsten Philosophen, Rechtsgelehrten und Theologen des 15. Jahrhunderts war. Von dort aus kehrte der wissbegierige Ahmad ibn Muhammad erneut nach Najaf. Diesmal vertiefte er seine Studien in Islamwissenschaften. Von vielen seiner Schüler wurde er später Mohaghegh ( zu Deutsch etwa „der Forscher“) oder auch Moghaddas ( zu Deutsch „der Heilige“) genannt. Seine schiitische Kommentierung des Korans findet noch heute große Beachtung unter den Islamgelehrten. Nach seinem Tod wurde er in der Imam-Ali-Moschee, die zu den wichtigsten Heiligtümern der Schiiten zählt, in Najaf beigesetzt. Die 1978 in Ardabil gegründete und sehr renommierte University of Mohaghegh Ardabili (persisch: دانشگاه محقق اردبیلی ) wurde ihm zu Ehren nach ihm benannt.

Weitere bedeutende Persönlichkeiten aus Ardabil

Nasrollah Nassehpoor (persisch: نصرالله ناصح پور , geb. 1940) ist einer der bedeutendsten Sänger des Landes. Schon sehr frühzeitig genoss er durch seinen Vater Agha Shakour, der seinerseits auch ein vielbeachteter Musiker war, eine umfangreiche musikalische Ausbildung. Später setzte er seine Studien in Teheran bei einigen der namhaftesten Musiker des Irans fort. Im Jahre 1996 gründete er mit seinen Söhnen Parham, Peyman und Pooyan das Nassehpoor Ensemble, mit dem er weit über die Grenzen des Irans hinaus großartige Erfolge feiern konnte. Nassehpoor lehrt auch klassischen persischen Gesang an der Tehran University of Art (persisch: دانشگاه هنر تهران ).

Rahim Aliabadi (persisch: رحیم علی‌آبادی‎‎ , geb. 22. März 1943) ist ein ehemaliger Ringer der sog. griechisch-römischen Stilart. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er 1969 bei den Weltmeisterschaften in Mar del Plata (Argentinien), wo er in der Gewichtsklasse des Papiergewichts (bis 48 kg) die Silbermedaille erlangte. Bei den Olympischen Spielen in München 1972 erzielte er ebenfalls eine Silbermedaille in der selben Gewichtsklasse. Rahim Aliabadi beendete seine Kariere als Ringer, nachdem er sich bei den Asienspielen in Teheran eine Goldmedaille erkämpfen konnte.

Ali Daei (persisch: علی دایی, geb. 21. März 1969) ist ein ehemaliger Profifußballspieler. Er spielte von 1993 bis 2006 insgesamt 146 mal für die iranische Nationalmannschaft und konnte für diese insgesamt 109 Tore erzielen. Im Jahre 1998 nahm er an der Fußballweltmeisterschaft in Frankreich teil, 2006 in Deutschland. Zweimal wurde Ali Daei Welttorjäger (1996 mit 22 Toren und 2004 mit 17 Toren).

Hossein Rezazadeh (persisch: حسین رضازاده , geb. 12. Mai 1978) ist ein ehemaliger Gewichtheber und Sportfunktionär. Hossein Rezazadeh hält zwei Weltrekorde, einen in Stoßen (263,0 kg) und einen im Zweikampf (472,0 kg). Von der Teheran Times erhielt er deshalb den Spitznamen „der iranische Herkules“. Das im Jahre 2006 in Ardabil erbaute Stadion wurde nach ihm benannt.

Das Klima in Ardabil

Die beste Reisezeit für Ardabil und seine Umgebung ist das Frühjahr oder der Herbst. Im Winter kann es in der Region klirrend kalt werden mit gelegentlichen Temperaturen unter 20°C. Auch im Sommer herrscht meist angenehmes Klima.

- Klimatabelle -

Klimatabelle von Ardabil basierend auf den Messwerten von 1951 bis 2010

Monat
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Höchsttemperaturen (Rekorde)
18.2
(31.01.87)
20.0
(14.02.79)
27.2
(15.03.10)
32.0
(27.04.08)
33.0
(24.05.89)
37.5
(26.06.85)
38.0
(17.07.78)
39.8
(12.08.03)
37.4
(01.09.98)
30.8
(09.10.02)
25.0
(04.11.76)
21,2
(10.12.98)
Höchsttemperaturen (Durchschnitt)
3.0
4.5
9.3
16.7
19.7
23.2
25.0
24.7
22.6
17.5
11.4
5.7
Tiefsttemperaturen (Durchschnitt)
−7.9
−6.3
−2.4
2.8
6.0
9.0
11.6
11.6
8.7
4.8
0.3
−4.6
Tiefsttemperaturen (Rekorde)
−31.4
(15.01.08)
−33.8
(03.02.89)
−28.8
(03.03.85)
−13.0
(02.04.81)
−8.5
(05.05.92)
−0.2
(23.06.93)
3.0
(02.07.94)
2.2
(13.08.85)
−4.4
(24.09.87)
−21.0
(21.10.84)
−24.2
(30.11.93)
−27.0
(31.12.87)
Regen (in mm)
23.3
22.1
36.1
40.0
42.6
18.9
5.9
5.5
10.4
31.8
34.5
24.4
Regentage
8.2
8.9
11.3
12.2
13.7
7.2
3.9
4.1
6.4
9.2
7.7
7.9
Schneetage
7.6
7.7
7.1
2.1
0.3
0
0
0
0
0.9
3.5
6.3
Relative Luftfeuchtigkeit (Durchschnitt)
75
74
73
68
71
71
69
70
74
75
74
74
Monatlicher Sonnenschein (in Stunden)
146.2
153.7
170.4
184.9
245.4
293.6
302.8
274.3
227.1
185.6
153.4
141.0
Quelle: Chaharmahal and Bakhtiari Meteorological (اداره کل هواشناسي استان چهارمحال و بختياري), web: www.chbmet.ir

 

Universitäten in Ardabil

In Ardabil haben sich vor allem in jüngerer Zeit zahlreiche Universitäten angesiedelt. Die Anzahl an Studenten aus ganz Iran und zum Teil auch aus aller Welt macht Ardabil zur Universitätsstadt. Zu den älteren und renommiertesten zählen:

  • Ardabil University of Medical Sciences (persisch: دانشگاه علوم پزشکی اردبیل ) wurde im Jahre 1993 gegründet, die pharmazeutische Fakultät kam 2013 hinzu. Sie deckt ausschließlich medizinische Bereiche ab. Derzeit sind etwa 1900 Studenten immatrikuliert.
    Web: www.arums.ac.ir
  • University of Mohaghegh Ardabili (persisch: دانشگاه محقق اردبیلی ) wurde im Jahre 1978 gegründet. Sie bietet auf zehn Fakultäten verteilt die größte Auswahl an Studiengängen in Ardabil. Derzeit sind etwa 11 000 Studenten immatrikuliert.
    Web: www.uma.ac.ir
  • Islamic Azad University of Ardabil (persisch: دانشگاه آزاد اسلامی ) lehrt islamische Wissenschaften und wurde im Jahre 1984 gegründet. Derzeit sind etwa 15 000 Studenten immatrikuliert.
    Web: www.iauardabil.ac.ir
  • Payam Noor University of Ardabil (persisch: دانشگاه پیام نور اردبیل ) wurde 1988 gegründet und gehört zu einem Netzwerk mit insgesamt 502 lokalen Studienzentren im gesamten Iran.
    Web: www.pnu.ac.ir

Partnerstädte

Stadt Land Partnerstadt seit
Tiszavasvári Ungarn 2011
Wolgograd Russland 2015

Nützliche Informationen für die Reise nach Ardabil

Geldwechsel

Mehrere Banken befinden sich im Stadtzentrum an der Kreuzung der Khiabane Imam Khomeini und Sheikh Safi. Gute Wechselkurse bietet “Aryana Currency Exchange”. Hier können auch Aserbaidschanische Manat gewechselt werden.

Information/Auskunft für Touristen

Tourist Information
Eine offizielle Informationsstelle der Stadt gibt es (nach unserem Kenntnisstand) nicht. Sehr hilfsbereit ist man im Reisebüro Mehr Parvaz, 566 Kh. Imam Khomeini, Telefon: +98 451 44 34 38.

Krankenhäuser in Ardabil (kleine Auswahl)

Arta Hospital
Kh. Ayatollah Talegani
Telefon: +98 451 333 52 44-8

Dr Fatemi Hospital
Kh. Imam Khomeini
Telefon: +98 938 336 1575

Bu Ali Hospital
Kh. Shadid Moddares
Telefon: +98 45 3325 2252

Weblinks

Offizielle Seite der Stadt:

http://www.eardabil.ir/HomePage.aspx?TabID=1&Site=DouranPortal&Lang=en-US (englisch)
http://www.eardabil.ir/ (persisch)

Encyclopædia Iranica

http://www.iranicaonline.org/articles/ardabil (englisch)

UNESCO

http://whc.unesco.org/en/list/1345 (englisch)

Quellen und weiterführende Literatur

  • Ehsan Yarshater - Encyclopædia Iranica (Teheran 1982)
  • William Bayne Fisher; J. A. Boyle - The Cambridge History of Iran: The Land of Iran (1 ed.), Cambridge University Press (1968)
  • UNESCO World Heritage Centre - Sheikh Safi al-din Khānegāh and Shrine Ensemble in Ardabil (2010)
  • Mahmoud Rashad - DuMont Kunst-Reiseführer Iran (2011)
  • C. Barbier de Meynard - Dictionnaire géographique et historique de la Perse
  • A. Gabriel - Religionsgeographie von Persien (1971)
  • Peter Kerber - Islamische Republik und jahrtausendealte Kultur (2015)
  • Walter M. Weiss - Iran (2015)
  • Claudia Stodte, Beate Schermbeck - Iran (2015)
  • Michael Axworthy - Weltreich des Geistes. Von Zoroaster bis heute (2011)
  • Hans-Peter Raddatz - Persische Hochkultur und irrationale Macht (2006)
  • Hartmut Niemann, Ludwig Paul - Reise Know-How Iran, Reiseführer für individuelles Entdecken (2014)
  • Kurt-Michael Westermann, Walter M. Weiss - Reise durch Iran (2014)
  • Samieh Hezari - Trapped in Iran: A Mother's Desperate Journey to Freedom (2016)

 

 

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